Mit einem Kinderreisepass fliegt man nicht in die USA

Bereits unsere Hinreise gestaltete sich abenteuerlicher als geplant, aber schlussendlich kamen wir doch noch wohlbehalten in Mexiko an.

Die Fahrt zum Flughafen

Wir hatten dieses Mal bereits am Vorabend alle Koffer pünktlich fertig gepackt und freuten uns auf die morgige Reise. Zum ersten Mal würden wir als Familie in der Business Class fliegen und die Kinder freuten sich schon wie Bolle. Samstagfrüh klingelte um 6 Uhr der Wecker und dank der Vorfreude auf die Reise waren sogar die Kinder trotz der unchristlichen Zeit recht schnell wach. Nachdem wir uns fertig gemacht und noch die restlichen Kosmetiksachen eingepackt hatten, zogen wir um 6.45 Uhr mit den Koffern in Richtung Bushaltestelle los. Bei 3°C und ohne Winterjacken – die konnten wir in Mexiko ja nun überhaupt nicht gebrauchen – machten wir noch kurz einen Halt beim Bäcker, um Frühstück zu kaufen. Allerdings nur wenig, da wir später in der Business Lounge ein Buffet mit allerlei Leckereien erwarten durften. Tja, Pustekuchen… Hätten wir mal etwas mehr gekauft.

Der Flughafenbus kam zum Glück pünktlich und nach 200 m fingen die Kinder an zu fragen, wann wir denn endlich ankommen würden. Die Antwort „in 40 min“ stieß auf wenig Begeisterung, aber das kannten wir von unseren Kindern schon. Die ersten 20-30 min sind immer die anstrengendsten, weil ihnen langweilig ist und danach kommen sie in den Reisemodus, wo man recht lange mit ihnen unterwegs sein kann. Das half dieses Mal enorm.

Kurz vor 8 Uhr trafen wir am Flughafen ein. Wir hatten noch 2 Stunden bis zum Abflug und schlenderten langsam zum Schalter. Das kurzzeitige Glücksgefühl an einem priority Schalter einchecken zu dürfen und nicht ewig in der Schlange stehen zu müssen, verflog recht schnell als die nette Dame am Schalter sich die Reisepässe der Kinder besah und meinte, dass wir damit nicht fliegen dürften. Unsere Route sah vor, dass wir von München nach Atlanta und nach einem 3-stündigen Aufenthalt von dort nach Mexiko City fliegen sollten. Was wir nicht wussten, war, dass man, selbst wenn man im Transitbereich bleibt, nicht mit Kinderreisepässen in die USA einreisen darf. Ob das wirklich so stimmt oder ob man das eventuell mit einem richtigen Visum für die Kinder hätte trotzdem machen können, weiss ich nicht. Da der Flug sowieso so kurzfristig gebucht wurde, hätte die Zeit dafür vermutlich trotzdem nicht ausgereicht.

Da standen wir nun mit unseren Koffern und 3 müden Kindern und guckten ziemlich dumm aus der Wäsche. Die Termine in der Botschaft, für die Hausbesichtigungen, Bank- und Schultermine waren alle schon vereinbart. Wir mussten also unbedingt fliegen, zumal uns die Zeit einfach davon lief. Wenn nicht jetzt fliegen, wann dann? Immerhin sollten wir in 1,5 Monaten umziehen. Während mein Mann sich also ans Telefon klemmte und mit dem Firmen-Reisebüro telefonierte, damit sie uns irgendwie umbuchen, habe ich derweil die Kinder beschäftigt und getröstet, die die ganze Aufregung natürlich mitbekamen. 1,5 h später – es war inzwischen 9.30 Uhr – hatten wir eine neue Reiseroute: 10.25 Uhr sollten wir nach Madrid und von dort nach einer Stunde Aufenthalt weiter nach Mexiko City fliegen.

Wir hetzten also mit fliegenden Fahnen und allem Gepäck gefühlt ans andere Ende des Flughafens, um noch rechtzeitig den Flug zu bekommen. Unterwegs schnappte sich mein Mann noch schnell 4 Brezeln bei einem Bäcker, da wir alle noch nicht richtig gefrühstückt hatten. Am Schalter wurden uns die Tickets ausgehändigt, allerdings nur bis Madrid. Dort sollten wir uns „ganz einfach“ die nächsten Tickets bis nach Mexiko City holen. 10 Uhr standen wir dann am Gate, froh, dass a) die Umbuchung relativ problemlos geklappt hatte und b) wir tatsächlich alle heute noch fliegen konnten. Im schlimmsten Fall hätten wir unverrichteter Dinge nach Haus fahren müssen und erst ein paar Tage später fliegen können.

Einziger Wermutstropfen war, dass wir nun Economy Class fliegen mussten, da die Business Class komplett ausgebucht war. Vor allem unser Großer war untröstlich, weil er sich total darauf gefreut hat. Ich habe ihn erst ein bisschen jammern lassen, ihm dann aber auch den Kopf wieder zurecht gerückt und ihm klar gemacht, dass wir dankbar sein können, dass wir überhaupt fliegen dürfen und dafür keinen Cent bezahlen müssen. Dann noch zu jammern, dass man nicht während des Fluges verwöhnt wird, ist nicht in Ordnung. Das hat er natürlich eingesehen, auch wenn ich ihn verstehen konnte. Das ist ja immerhin so als wenn einem zuerst ein Ferrari geschenkt wird und gerade, wo man ihn das erste Mal benutzen möchte, bekommt man doch nur einen Opel. Geschenk hin oder her, die erste Enttäuschung ist ja erstmal verständlich.

Ankunft in Madrid

Der Flug nach Madrid verlief recht ereignislos bis auf die Tatsache, dass wir alle Hunger hatten. Deswegen nahmen wir uns vor in Madrid nur schnell die Tickets zu holen und danach noch etwas zu essen. Als wir auch noch 40 min früher landeten, freuten wir uns, dass mehr Zeit zum Essen bliebe ehe wir weiterfliegen mussten. Die Ernüchterung erfolgte recht bald als wir bei unserer Ankunft auf einer Anzeigetafel lasen, dass wir – aktuell im Terminal E – bis zum Terminal A laufen mussten. Die dahinter geschriebene Laufzeit von 31 min trug nicht gerade zur Stimmungsaufhellung bei. Mein Mann, der ausnahmsweise recht optimistisch war, meinte noch, dass die Laufzeit bestimmt auf ein Durchschnittstempo ausgelegt sei und wenn wir schnell laufen würden, dass wir dann weniger Zeit brauchen würden. Ja, Pustekuchen.

Wir liefen im Stechschritt durch den Flughafen und kamen nach 20 min fix und fertig im Terminal B an, wo man uns jedoch nicht ohne Boardingkarten durchließ. Während wir einen leicht panischen Blick auf die Uhr warfen (es war mittlerweile 13.20 Uhr und der Flug ging um 14.30 Uhr), erklärte uns die Dame im schönsten Spanisch, wo wir unsere Tickets besorgen könnten. Also ging es „schnell“ zu dem Schalter, den wir, nachdem wir weitere drei Leute auf spenglisch gefragt hatten, dann auch irgendwann fanden. 13.45 Uhr waren wir endlich stolze Besitzer von 5 Flugtickets und rasten zurück Richtung Terminal B. Von dort aus waren es dann „nur“ noch 11 min Laufzeit zum Terminal A. Punkt 14 Uhr kamen wir dort an, zum x-ten Mal an diesem Tag fix und fertig. Die Kinder und ich stellten uns schon mal zum Boarding an und mein Mann besorgte noch fix diese „leckeren“ eingepackten dreieckigen Sandwiches, damit wir überhaupt etwas zum Essen hatten.

Was ich sehr interessant fand und vorher nicht kannte: Bei den mexikanischen Airlines ist es so, dass das Boarding in verschiedene Zonen eingeteilt ist. Man stellt sich also nicht in einer langen Schlange an, sondern in 5-6 Schlangen. Dadurch gewannen wir ein wenig Zeit, weil wir in Zone 4 eingeteilt wurden und zuerst die Zonen 1-3 an Bord gingen.

Der Flug an sich war relativ ereignislos. Nachdem wir anfangs die Sandwiches verdrückt und die Kinder schon einen großen Teil ihrer Süßigkeitentüten geplündert hatten (Ich war so stolz auf mich, dass ich jedem Kind eine Tüte mit ihren Halloweensüßigkeiten in ihr Handgepäck gepackt hatte, damit sie etwas zum Naschen haben. Mein Mann meinte, dass dies vollkommen unnötig sei, da man in der Business Class rundum versorgt wird. Ich habe mich trotzdem durchgesetzt und ihm was von Notfall und so erzählt ;)), widmeten sie sich den Fernsehern und ihren Malbüchern. Die Kleine ließ ich zwischendurch 3 Stunden Mittagsschlaf (nach mexikanischer Zeit) machen, damit die Zeitumstellung relativ problemlos vonstatten gehen würde.

2 Stunden vor Ankunft in Mexiko – der Flug wurde inzwischen dank diverser Luftlöcher und Turbulenzen immer holpriger – meinte die Kleine, dass ihr irgendwie komisch sei. Da ich das sowohl von meiner Kleinen als auch vom Mittleren kenne, dass sie bei kurvigen Bergfahrten spucken müssen, waren wir auch dahingehend gut ausstattet. Ich hielt also 5 min die Tüte für sie parat und da nichts passierte, meinte ich zu ihr, dass ich die Tüte wieder in ihr Netz packe und wir sie bei Bedarf rausholen. Natürlich spuckte sie genau in dem Moment los als ich mich über sie beugte, um die Tüte wegzupacken. Ihre Kleidung war komplett besudelt und meine Hose ebenfalls. Für sie hatte ich einen vollständigen Satz Wechselsachen dabei – eigentlich dachte ich eher an das Verschütten von Tomatensaft als ich das einpackte -, für mich natürlich nichts. Eine Stunde später meinte dann auch der Mittlere, dass ihm nicht gut sei, doch er fing erst das Spucken an als wir schon gelandet waren. Da wir lernfähig sind, hatten wir bei ihm die ganze Zeit die Tüte parat, sodass bei ihm nichts daneben ging. Schön ist trotzdem anders.

Ankunft in Mexiko City

Der Flug von Madrid nach Mexiko dauerte 12 Stunden und ich muss sagen, dass die Zeit doch recht schnell verging. Die Kinder beschäftigten sich super und jammerten kein einziges Mal. Trotzdem kamen wir gerädert in Mexiko an. Dort war es zwar erst 19.40 Uhr, aber nach deutscher Zeit war es schon 2.40 Uhr. Der Große hatte im Flugzeug gar nicht geschlafen, die beiden Kleinen nur je ca. drei Stunden und mein Mann und ich max. 30 min.

Da wir umgebucht hatten, schrieben wir dem Taxiunternehmen, das uns vom Flughafen zum Hotel bringen sollte, noch schnell eine Mail, dass wir zwei Stunden früher landen würden. Da wir keine Bestätigung vom Taxiunternehmen erhalten hatten, stellten wir uns darauf ein, uns vor Ort um diese Fahrt kümmern zu müssen. Zu unserer positiven Überraschung standen sie jedoch tatsächlich mit einem Auto, in das wir sogar alle inklusive Gepäck reinpassten, vor dem Flughafen. Die Freude wich allerdings schnell der Enttäuschung als wir feststellten, dass nicht wie bestellt zwei Kindersitze im Taxi waren. Übermüdet wie wir waren, nahmen wir das so hin und fuhren mit dem Taxi zum Hotel. Eine andere Chance hätten wir sowieso nicht gehabt, da auch die Taxen vor Ort keine Kindersitze gehabt hätten.

Die Fahrt zum Hotel ließ dann sogar meinen Magen rebellieren, sodass es mich nicht verwunderte, dass die Kleinen wieder das Spucken anfingen. Gefühlt wechselte der Taxifahrer im Sekundentakt zwischen Vollbremsung und Vollgas wegen irgendwelcher roten oder grünen Ampeln, Bremsschwellen, Schlaglöchern oder anderen Autos, die meinten, sie müssten sich noch in die zu kleine Lücke vor unser Taxi quetschen. Nach 30 min kamen wir am Hotel an und nach dem Einchecken fielen wir um 22 Uhr endlich ins Bett. Ohne Schlafanzug, Zähne putzen oder ähnliches. Was für ein Tag…

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