Tequila 2019

Auf der Hinfahrt, die bereits um 7 Uhr am Ostersonntag begann, verschlug es uns für einen Tag nach Tequila, wo das berühmte gleichnamige mexikanische Getränk hergestellt wird. Immerhin entschädigte der Sonnenaufgang hoch über den Bergen einen für das frühe Aufstehen und die daraus resultierende die Müdigkeit.

Route San Luis Potosí – Tequila, Fahrtzeit: ca. 5 h

Auf dem Weg dorthin sahen wir viele Menschen, die am Rand der Autobahn entlang liefen. Viele mussten schon seit 4 Uhr oder noch früher auf den Beinen gewesen sein und einige hatten kleine Glaskästen auf dem Rücken mit Figuren drin (ich nehme an, dass es vorrangig heilige Marias oder Jesuse waren, aber wirklich erkennen konnten wir die nicht). Die meisten hatten keinerlei Gepäck dabei, nur Decken, die sie gegen die Kälte um sich herumschlungen. Hinterher fragten wir einige Kollegen, was das denn für Märsche waren, da wir in Summe mindestens 10.000 Leute gesehen haben. Wir erfuhren später, dass diese Leute schon seit Tagen auf Pilgerfahrt waren und ihnen durch den Marsch ihre Sünden vergeben werden. Immerhin wurde vorgesorgt und an allen (un-)möglichen Stellen waren große Zelte aufgebaut, an denen man sich unterwegs stärken konnte.

Ostermarsch

Die Landschaft war wie immer sehr abwechslungsreich und (meist) schön anzusehen.

Landschaft in Jalisco

Als wir nach einer hörbuchreichen Fahrt gegen 12 Uhr in Tequila ankamen, konnten wir uns natürlich einen – für die Kinder äußerst langweiligen – Besuch auf einer sogenannten hacienda (= Farm) nicht entgehen lassen. Diese lag wie die meisten haciendas ein bisschen außerhalb und so fuhren wir noch ein paar Minuten nach Amantitán zur Hacienda Herradura. Wir hatten Glück und um 13 Uhr begann eine dreistündige Tour auf Englisch (was die ganze Angelegenheit für die Kinder noch langweiliger machte)….

Tequila liegt im Bundesstaat Jalisco in der Nähe von Guadalajara und ist das Hauptanbaugebiet der blauen Agave, aus der der Tequila hergestellt wird. Sobald man Guadalajara hinter sich lässt, beginnen die großen „blaue-Agaven-Felder“ und bedecken die gesamte Landschaft soweit das Auge reicht.

Agavenfelder rund um Tequila

Die Tour startete vor einem imposanten alten Herrenhaus, wo früher die hacienda-Besitzer mit ihrem Gefolge wohnten, ging vorbei an kleinen Agaven-Feldern bishin zu den großen Öfen, wo die Reise der geernteten Agave beginnt. Dort wurde uns zunächst recht eindrucksvoll gezeigt, wie eine Agave zurecht geschnitten wird, da nur das Herz, also das Innere der Agave, für den Prozess gebraucht wird. Hierbei muss man allerdings genau aufpassen, wo man entlang schneidet, denn je nachdem, ob man zu nah oder zu weit weg vom Herz schneidet, kann der Geschmack sauer o.ä. werden, d.h. man beeinflusst bereits bei diesem ersten Schritt extrem den Geschmack und braucht viel Erfahrung, um die Agave richtig schneiden zu können.

Der „Schneider“ (also der schneidende Mensch… auf spanisch heißt er Jimador) trägt spezielle verstärkte Schuhe und Schienbeinschoner, um seine Beine zu schützen. Als Schneidwerkzeug hat er eine Art Spaten, wobei das metallene Ende plan, rund und sehr scharf ist (siehe Bilder). Das nennt sich „coa“. Den coa rammt er immer wieder seitlich an der Agave entlang und schneidet somit alles Unerwünschte ab. Oben mittig sieht man die Ausgangslage, auch wenn auf dem Bild nur sehr kleine Agaven zu sehen sind. Der Prozess startet dann links oben und endet rechts unten. Eine Agave braucht im Schnitt übrigens ca. 9 Jahre bis sie erntereif ist.

Prozess des Agave-Schneidens

Die geschnittenen Agaven kommen danach in Öfen und werden über einen ganzen Tag lang gegart. Danach werden sie in kleine, etwa fingergroße Stücke zerkleinert. Diese Stücke durften wir probieren und die waren echt lecker. Sie waren sehr süßlich mit einem leicht herben Geschmack, wobei das süßliche überwog, und man musste an ihnen lutschen und saugen, um an die Flüssigkeit zu kommen. Richtig essen konnte man sie nicht, da sie dafür viel zu fest, zäh und faserig waren. Nach dem Auslutschen hat man den Rest weggeworfen. So in der Art funktioniert auch der nächste Prozessschritt, da man nur an den Saft und Zucker gelangen möchte.

Öfen

Den weiteren Teil der Tour habe ich dank der unsäglichen Hitze (35 °C im Schatten) und des zunehmenden Gequengels der Kinder nur noch grob mitbekommen. Letztendlich muss man sich entscheiden, ob man puren, also 100 %, Tequila möchte oder nicht. Bei ersterem wird wirklich nur die blaue Agave verwendet, bei einem gemischten Tequila können maximal 49 % auch anderen Ursprungs sein. Der nächste Schritt ist die Fermentierung des zuvor hergestellten Agavensirups oder –most, d.h. an dieser Stelle findet die Umwandlung in Alkohol statt. Hier wird der Agavensirup in großen Kupfertanks gelagert und bleibt dort ca. 12 Tage (in einer traditionellen hacienda). Heutzutage kann man den Prozess dank chemischer Zusätze auch deutlich beschleunigen. Danach kommen noch 2-3 Destilliervorgänge und voilà, fertig ist der Tequila.

Im Anschluss gab es noch eine Tour durch die unterirdisch gelegenen uralten Anlagen der Tequilaherstellung. Dort durften wir allerdings keine Fotos machen. Die Maschinen mussten früher (logischerweise) alle per Hand bedient werden und der Tequile floß durch Spalte am Boden und wurde in ca. 2 m tiefen Löchern gelagert. Von dort musste er auch gekostet werden, um die richtige Balance zwischen zu wenig und zu viel Zucker zu finden, und erst bei den richtigen Mischungsverhältnissen wurde er weiterverarbeitet. Die Vorkoster hatten ihren Job im Schnitt nur 3-4 Monate, weil sie durch die falschen Mischungsverhältnisse geisteskrank, blind oder sonstiges wurden. Dafür wurde der Job wohl verhältnismäßig gut bezahlt. Die Führung endete mit einer Tequila-Verkostung, die allerdings nur mein Mann in Anspruch nahm. Mir schmeckt generell kein Alkohol und die Kinder waren geringfügig zu jung.

Impressionen der hacienda

Fix und foxi, verschwitzt und hungrig machten wir uns danach wieder auf den Weg nach Tequila, wo unser Hotel auf uns wartete.

Relativ früh suchten wir uns ein Restaurant und landeten in der sehr gemütlichen Pizzeria El Tejaban in einem Hinterhof. Typisch mexikanisch wurde die teilweise vorhandene Überdachung irgendwie provisorisch hingezimmert mit allen möglichen Materialien, die man gerade zur Hand hatte (Planen, Ziegel, alte Balken, Wellblech…) und die „Küche“ bestand aus einem großen Pizzaofen, einem ca. 2×1 m großen Arbeitstisch und einer kleinen Ablage für die Zutaten, aber es war zumindest alles ordentlich und sauber, sah nett aus und das Essen wurde frisch zubereitet. Dort gab es eine super leckere Vorspeise (platilos de queso), die quasi einfach nur aus Pizzateig mit Käse und einigen Gewürzen bestand, die zu einem Rechteck zusammengerollt waren. Prinzipiell recht einfaches Rezept, aber mega lecker. Die anschließenden Pizzen waren leider nur solala, aber alleine wegen der Vorspeise würde ich da glatt nochmal hingehen.

Den Abend ließen wir dann mit einem kurzen Bummel durch die Tequiler Innenstadt ausklingen.

Am nächsten Morgen gingen wir zuallererst auf die Suche nach den großen bunten Buchstaben, um wieder das obligatorische „Kinder mit Stadtbuchstaben“-Foto zu machen. Danach gingen wir in ein mexikanisches Frühstückscafé, was zwar sehr lecker war, aber typisch mexikanisch furchtbar lange Wartezeiten hatte. Das, was man hier an Wartezeiten beim ärztlichen Wartezimmer spart, holt man locker wieder beim Warten im Restaurant heraus. Aber wir versuchen es mit Gelassenheit und Ruhe hinzunehmen. So wie die Mexikaner.

Tequilas Innenstadt

Nach einem weiteren Spaziergang durch die Stadt, die im Übrigen sehr sauber, gepflegt und ordentlich ist – und holla die Waldfee gibt es dort Anwesen… da sieht man, wo das Geld wohnt! – machten wir uns um 12 Uhr auf den Weg ins 260 km entfernte Huanacaxtle. Obwohl das prinzipiell keine große Distanz ist, brauchten wir trotzdem 4 Stunden, da die letzten 100 km durch kurvigen „Bergdschungel“ führen und man dementsprechend langsam fahren muss. Aber wie immer war es landschaftlich gesehen eine Freude.

Dieses hübsche Gefährt begegnete uns unterwegs auf der Autobahn. Die Autos, die deutlich höher als lang sind, sind hier keine Seltenheit genausowenig wie der selbstkreierte aufstockende Aufbau. Wenn die Seitenwände der Ladefläche zu niedrig sind, werden z.B. einfach ein paar Holzlatten genommen, in einigen Abständen an den Seitenwänden „befestigt“ und zum Schluss kommt so wie in diesem Beispiel eine Plane drüber, um die gesamte Ladung zu „sichern“.

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