Muttertag in Mexiko

Muttertag – ein Tag, bei dem sich in Deutschland die Geister scheiden. Einige finden den Tag genauso doof wie Valentinstag und ähnlich „kommerziell“ gelagerte Feiertage, da man auf Knopfdruck irgendwas schenken soll, sie aber ein „ich hatte gerade zu einem x-beliebigen Datum Lust dir etwas zu schenken, um dir meine Liebe / Achtung / Respekt zu zeigen“-Geschenk bevorzugen würden. Andere finden den Tag super, weil sie den Gedanken schön finden, dass an einem bestimmten Tag im Jahr allen Müttern für ihre Arbeit, Liebe und Aufopferung der Familie gegenüber in irgendeiner Form gedankt wird.

Natürlich gibt es noch viele Abstufungen zwischen Ich finde den Tag furchtbar und Ich finde den Tag toll und ich würde sagen, ich befinde mich irgendwo dazwischen. Mich stört der Tag nicht, aber weder finde ich ihn besonders gut noch besonders schlecht. Ich freue mich, wenn meine Kinder mir selbstgebastelte Kleinigkeiten schenken, bin aber nicht traurig, wenn dem nicht so ist. Über einen schön gedeckten Frühstückstisch – den ich bisher auch immer bekommen habe – freue ich mich natürlich auch, aber für mich muss es weder große Geschenke regnen noch muss der Tag ausgiebig gefeiert werden.

Nicht so in Mexiko. Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Muttertag immer am zweiten Sonntag des Monats Mai stattfindet, ist der Muttertag in Mexiko immer am 10. Mai. Der fiel dieses Jahr auf einen Freitag, was es vielen Müttern etwas leichter gemacht, sich den Tag freizunehmen. Denn hier wird der Muttertag richtig groß gefeiert und deswegen versuchen viele Mütter an diesem Tag nicht zur Arbeit gehen zu müssen. Spätestens am Nachmittag gibt es große Feste, zu denen Familien und Freunde eingeladen sind und abends wird die Party entweder fortgeführt oder es wird ausgegangen. Ich vermute, dass es hier wie auch in Deutschland unterschiedliche Typen gibt, aber ich bin offensichtlich nur von den begeisterten „Muttertagsfeiermüttern“ umgeben, von daher kann ich auch nur darüber berichten.

Zu Ehren der Mütter gab es sowohl im Kindergarten als auch in der Grundschule Aufführungen. Die im Kindergarten fand am Vormittag statt, wo dieses Mal auch fast alle Mütter anwesend sein konnten, weil sie sich freigenommen hatten. Dazu wurde eine Bühne auf dem Hof des Kindergartens errichtet, große „MAMÁ“-Buchstaben aufgestellt und die Stühle hübsch mit weißen Leinen und pinken Schleifen dekoriert.

Deko im Kindergarten

Wie so oft mussten die Kindergartengruppen in vorgeschriebenen Outfits kommen und in der Gruppe der Kleinen sollten alle Mädchen ein weißes Kleid anziehen. Wer keins hat, darf sich gerne eins kaufen. Immerhin ist man Mitglied einer Privatschule und da sollte Geld keine Rolle spielen. Mich persönlich ärgern diese Kleidervorschriften jedes Mal, weil es bisher mindestens einmal im Monat vorkam, dass spezielle Kleidungsstücke gebraucht werden, die die Kinder sonst kaum anziehen. Wann auch? Immerhin haben die Kinder den größten Teil ihrer Zeit ihre Schuluniformen an. Das empfinde ich nicht nur als Geld-, sondern zuhause auch als Platzverschwendung.

Zu speziell ausgesuchten Liedern haben die Kinder einstudierte Choreographien vorgeführt, die teilweise wirklich kompliziert waren. Die Choreographien waren auch echt süß gemacht und deutlich anspruchsvoller als alles was ich bisher in deutschen Kindergärten gesehen haben. Aber mit Musik haben sie es hier ja und ich glaube, dass die Kinder in Mexiko schon viel früher an Tanz und Musik herangeführt werden als in Deutschland. Nicht unbedingt in Form von Unterricht wie z.B. die musikalische Früherziehung, sondern einfach im Kreise der Familie und bei Freunden.

Die ausgewählten Lieder kamen alle aus sehr bekannten Filmen und sollten uns Mütter an unsere eigene Kindheit erinnern. Ich kannte kein einzigen Lied davon, was aber ausnahmsweise mal nicht daran lag, dass ich meistens jünger bin als die anderen Mütter. Denn hier in Mexiko sind viele Mütter auch vergleichsweise jung und zumindest im Kindergarten befinde ich mich ca. im Altersdurchschnitt, auch wenn es bei den anderen meist das erste und bei mir eben das dritte Kind ist. Dieses Mal lag es eher daran, dass es Lieder aus bekannten mexikanischen Filmen waren, die ich allesamt nicht kannte.

Mit ein bisschen Zwischengeplänkel der Direktorin und den Aufführungen aller Gruppen war die ganze Show nach gut einer Stunde erledigt. Zwischendurch gab es für alle etwas zu knabbern und zu trinken. Urgs, das Getränk war irgendetwas weißes und schmeckte echt widerlich süß. Jedenfalls für mich, denn die Kleine mochte es ganz gerne. Es schmeckte wie eine Mischung aus Kokosnuss, Wasser, Milch, Zucker und noch einer weiteren Zutat. Danach durften wir mit unseren Kindern wieder nach Hause fahren, damit sie uns Mütter dort weiter befeiern könnten.


Die Grundschule hatte ihren großen Auftritt bereits am Mittwochnachmittag und obwohl sich auch da natürlich alle Kinder große Mühe gegeben hatten, war die Show lange nicht so kurzweilig wie die im Kindergarten.

Es fing schon damit an, dass genau an dem Tag Sturm war und somit der Park geschlossen war. Leider sollte die Show aber in dem sich im Park befindlichen kleinen Theater stattfinden. Anstelle von zwei weit geöffneten Parktoren gab es nur ein Parktor, das gerade so weit geöffnet war, dass sich ein Auto hindurchquetschen konnte. Der Parkwächter, der nur uns Eltern hindurchlassen durfte, war sichtlich überfordert und schnell bildete sich rings um den Park ein riesiger Stau, weswegen viele Eltern zu spät kamen. Dadurch konnte die ganze Veranstaltung erst deutlich später beginnen als geplant. Zusätzlich gab es einfach „zu viele“ Klassen. Obwohl sie schon einige Klassen je Klassenstufe zusammengelegt hatten, waren es trotzdem noch 8 verschiedene Aufführungen a mind. 10 min.

Je kleiner die Kinder waren, desto kurzweiliger und musikalisch untermalter waren die Aufführungen, doch bei den größeren Jahrgängen waren es reine Theateraufführungen und das war leider echt langweilig.

Alle Aufführungen hatten etwas mit dem Thema „Mutter“ oder „starke / berühmte Frauen“ zu tun. Die Klasse vom Mittleren hatte zum Beispiel das Thema Jane Goodall. Das ist eine Frau, die jahrzehntelang das Verhalten und Leben von Schimpansen erforscht hat. Er durfte passenderweise einen Schimpansen spielen und über die Bühne tanzen. Bevor die Schimpansen jedoch ihren Einsatz hatten, wurden langatmig irgendwelche Dialoge zwischen „Jane“ und ihren Assistenten vorgetragen, was sehr sehr ermüdend war. Das fand ich leider too much und das lag nicht nur daran, dass alles auf Spanisch war. Den Sinn der 15-minütigen Aufführung der 6.Klasse z.B., die auch leider komplett ohne Musik und Tanz war, habe ich gleich mal gar nicht verstanden. Ständig wechselnde Szenen, kaum vernünftige Dialoge, aber alle waren stolz darauf, dass die Kinder sich alles selbst ausgedacht hätten. Naja, jeder wie er mag.

Die Parallelklasse des Mittleren hingegen war total witzig. Die haben eine Harry-Potter-Aufführung gemacht, in dem sie eine Zaubertränke-Stunde nachgespielt und lauter Zaubertränke wie „Glück für die Mama“ usw. hergestellt haben. In der Zaubspruch-Stunde wurden Zaubersprüche wie „Abwasch mach dich von alleine“ usw. geübt. Das war voll nach meinem Geschmack und da hätte die musikalische und tänzerische Untermalung – Feen, die auf einmal zusammenhangslos und wie im Ballett über die Bühne tänzelten – meinetwegen auch fehlen dürfen.

Aufführungen der Grundschule

Alles in allem war es auf jeden Fall interessant zu sehen wie groß die Kulturunterschiede zu Deutschland sind. Egal in welchem Bundesland wir bisher gewohnt haben, vom Kindergarten und der Schule aus gab es maximal etwas kleines Gebasteltes für die Mama mit nach Hause und keine riesigen Shows. Ich bin gespannt, was uns beim Vatertag geboten wird, wobei ich mir das von meinem Mann erzählen lassen muss. Mütter sind da nämlich verboten.

Geschenke habe ich im Übrigen trotzdem noch bekommen: Der Mittlere hat in der Schule einen Spiegel mit der Überschrift „Who is the best mom?“ gebastelt, was ich zugegebenermaßen recht witzig und nützlicher finde als das tausendste Teelicht / Karte usw.

Geschenk des Mittleren

Von der Kleinen gab es eine kleine bemalte Leinwand.

Geschenk der Kleinen

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