Was machst DU eigentlich den ganzen Tag?

Genau diese Frage bekomme ich öfters gestellt. Das einzige, was dabei variiert, ist der Ton: neugierig, vorwurfsvoll, neidisch, abschätzig.

Viele Leute scheinen zu denken, dass man als Expat-Frau ein Leben in Saus und Braus führt und man ganz nebenbei zu viel Freizeit mit zu wenig Füllung hat. Zumindest suggerieren das gewisse Aussagen und Vorurteile, mit denen ich immer wieder konfrontiert werde. Sicherlich mag das auch auf einige Expat-Frauen zutreffen, aber auf die meisten wohl eher nicht. Letztendlich kann natürlich kein Alltag der Einen mit dem Alltag der Anderen verglichen werden, aber für einen kleinen Eindruck beschreibe ich hier kurz meinen Alltag als Expat-Frau in Mexiko.

Mein hiesiger Alltag hat sich natürlich im Laufe der Zeit geändert. Die ersten Monate waren v.a. geprägt vom Eingewöhnen der Kinder, Terminen mit Schule & Co., kleinen sprachlichen und organisatorischen Abenteuern bei ganz alltäglichen Dingen wie Einkaufen, Beschaffung von Schulmaterialien usw. und Einrichten des Hauses.

Das klingt erstmal nicht viel, zumal man denken könnte, dass ich den ganzen langen Vormittag ohne Kinder Zeit hatte, aber ganz so war es leider nicht.

Die Schule beginnt für die Kinder der secundaria (= Oberstufe ab der 7.Klasse) um 7.15 Uhr, die der Grundschule um 8 Uhr und der Kindergarten um 9 Uhr. Da die Kinder aus Sicherheitsgründen nicht alleine zur Schule gehen dürfen, war ich die ersten Stunden des Tages mit dem permanten Fahren zur Schule beschäftigt. In den restlichen 4,5 Stunden, die noch bis zur Abholung des ersten Kindes verblieben, musste ich meinen 1,5 stündigen Spanischunterricht, die häufig stattfindenden Schultermine, den Haushalt für unser 300 qm großes Haus, das Auspacken der Umzugskisten und weitere organisatorische Dinge unterbringen. Die kinderfreie Zeit war also immer ziemlich schnell vorbei.

Ab 13.30 Uhr ging das Abholen der Kinder wieder los. Auch wenn Schule und Kindergarten am gleichen Ort liegen, waren die Abholzeiten der Kinder gestaffelt – 13.45 Uhr Kindergarten, 14 Uhr Grundschule, 14.40 Uhr Oberstufe -, wodurch gut 1,5 h nur zum Abholen draufgingen. Die dazwischen liegende Zeit war leider zu kurz zum Heimfahren, weswegen ich die Wartezeit mit den Kleinen auf den Großen vor der Schule vertrödelte. Der restliche Nachmittag war gefüllt mit den üblichen Kinderaktivitäten: Hobbys, Freunde treffen, Hausaufgaben. Allerdings wurde ich auch hier immer als Mama-Taxi gebraucht, da die Kinder nirgends alleine hindürfen.

Wie man sieht, ist ein Schultagtag fix rum und oft hatte ich trotz der „freien“ Zeit am Vormittag das Gefühl kaum etwas geschafft zu haben. Nach den ersten Monaten kamen anstelle der Umzugskisten dann viele viele Schulgespräche und das Durchkämmen der mexikanischen Schulgesetze dazu, die ebenfalls viel Zeit in Anspruch nahmen.

Nun sind gerade Sommerferien und erst jetzt habe ich das Gefühl, dass in den letzten paar Wochen eine gewisse Routine eingekehrt ist. Viele Fragen sind nun geklärt, die Kinder mehr oder weniger eingewöhnt, viele Aufgaben abgearbeitet, soziale Kontakte geknüpft und der Alltag kann endlich einkehren.


Nachtrag Februar 2020

Tatsache sieht mein Alltag mittlerweile etwas anders aus als noch vor einem Jahr. Die Kinder haben die Schule gewechselt, ich habe dadurch Vormittags ca. 6,5 h Zeit und die einzige immer anstehende Aufgabe ist der Haushalt und natürlich Laila. Die restliche kinderfreie Zeit kann ich inzwischen für mich und meine Hobbys nutzen: Spanisch lernen, Klavier spielen, Freunde treffen und gemeinsam frühstücken gehen, bloggen, fotografieren und lesen. Glamour gibt es in meinem Leben immernoch nicht, aber den vermisse ich auch nicht. Im Grunde genommen unterscheidet sich mein Leben also nicht von dem einer Hausfrau in Deutschland. Da muss ich leider Einigen die Illusion nehmen.

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