Episode 2: Mexikanische Medizinkunst

Seit unserem ersten Arztbesuch im Februar blieben wir glücklicherweise viele Monate gesund, doch Mitte Juli war es wieder soweit. In einem tolpatschigen Moment rutschte ich beim Heruntergehen auf der Treppe aus und landete mit dem großen Zeh auf auf der nächsten Treppenstufe. Es war abends, der Zeh schwoll nach kurzer Zeit auf das Doppelte seiner normalen Größe an und mein Mann? Der war einige Stunden zuvor in den Flieger nach Deutschland gestiegen und somit für die nächsten 2 Woche nicht da. Wenn auch sonst nichts klappte – auf das Timing von Katastrophen in meines Mannes Abwesenheit war Verlass!

Mit einigen Schmerzmitteln intus konnte ich nachts wenigstens schlafen und mich begleitete die irre Hoffnung, dass der Zeh am nächsten Morgen wieder normal wäre. Auf einen Krankenhausbesuch konnte ich genauso gut verzichten wie auf Krücken. Wie sollte das werden mit 3 Kindern und nicht stubenreinem Welpen?

Natürlich wurde mir mein Wunsch nicht erfüllt und so ließ ich mich am nächsten Vormittag von einer Freundin ins Krankenhaus fahren. Zum Glück hatten wir noch Krücken aus Deutschland, denn ohne die hätte ich keinen Schritt gehen können. Im Krankenhaus angekommen wurde der Fuß zunächst in einem etwas altmodischen wirkenden Gerät geröntgt. Dabei wurden zwei Bilder gemacht: eins von oben und das zweite quasi auch von oben, nur dass mein Fuß um wenige Millimeter gedreht und in eine so unmöglich zu haltende Position gebracht wurde, dass der unentwegt gezittert hat. Auf diesem Bild konnte man also definitiv nichts erkennen.

Dem Arzt reichten die beiden Bilder offensichtlich aus, um mit mitzuteilen, dass nichts gebrochen wäre, sondern ich einen Bänderriss im Zeh habe. Das sei zum Glück nicht so schlimm und ich solle ruhig probieren, den Fuß zu belasten. Bei diesen Worten half er mir auf die Beine, nahm mir meine Krücken weg, ignorierte meinen Protest und gab mir einen kleinen Schubs, damit ich loslaufe. Erst meine Tränen, die mir vor Schmerz direkt in die Augen schossen, ließen ihn stutzig werden. Da half auch der „schicke“ Schuh, den er mir zuvor zur Stabilisierung des Fußes gegeben hatte, nichts.

Medizinischer Schuh

Um einige Schmerztabletten und gute Ratschläge reicher – ruhen Sie sich schön aus! Legen Sie den Fuß oft hoch! Lassen Sie sich von ihrem Mann helfen! (Haha, selten so herzhaft gelacht.) – verließ ich das Krankenhaus. Der Diagnose vertraute ich nicht gänzlich, aber letztendlich macht es für die Behandlung keinen relevanten Unterschied, ob der Zeh gebrochen ist oder einen Bänderriss hat. Belasten kann ich ihn nicht, der Schuh verhindert das Abrollen beim Laufen und Krücken hatte ich sowieso. Jetzt hoffe ich, dass die vom Arzt versprochene Besserung in 3 Wochen auch wirklich eintritt.

Nachtrag Oktober 2019

Der Zeh tut immernoch weh. Natürlich längst nicht mehr so stark wie am Anfang, aber bei etwas stärkerer Belastung wie z.B. rennen merke ich, dass es definitiv noch lange nicht wieder so ist wie davor. Laut Arzt müsste längst alles ok sein und ich „solle mich mal nicht so anstellen„. Na er muss es ja wissen… Er, der mir einen Bänderriss ohne MRT, aber dafür mit wackeligem Röntgenbild diagnostiziert hatte… Von mexikanischen Ärzten habe ich die Nase jedenfalls gestrichen voll.

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