Mazatlán & Fährüberfahrt

Von Durango aus machten wir uns auf in das 260 km entfernte Mazatlán. Trotz dieser relativ kleinen Entfernung brauchten wir 4 Stunden, die vor allem den Serpentinen in der Nähe Mazatláns geschuldet waren.

Route Durango – Mazatlán – Fähre (Mazatlán-La Paz) – Cabo San Lucas, Fahrtdauer ca. 4 h – 14 h – 2 h

Recht bald hinter Durango fing die Landschaft an sich signifikant zu verändern. Aus der flachen rötlich-braunen Ebene mit kleinem, teils verdorrtem Buschwerk wurde eine sanfte, dicht bewaldete Hügellandschaft.

Wälder hinter Durango

Je näher wir Mazatlán kamen, desto felsiger wurde die Landschaft und bald hatten wir das Gefühl, dass wir uns im Gebiet des Grand Canyon in den USA befinden würden. Beeindruckende Felsformationen und Schluchten umgaben uns und erstmals in Mexiko durchquerten wir eine Menge Tunnel, die ansonsten – vermutlich aufgrund der Kosten – sehr rar gesät sind. Eine sehr witzige, typisch mexikanische Situation erlebten wir auf der großen Brücke, die eine der phänomenalen Schluchten überspannte: Um Fotos zu machen, hielten die Mexikaner einfach auf der – immerhin zweispurigen – Autobahnbrücke (!) an, stiegen aus und machten Fotos. Die vorhandene Polizeistreife hielt die Leute nicht etwa dazu an weiterzufahren, um keinen Unfall zu verursachen, sondern gesellte sich quatschend und lachend zu den Leuten dazu.

Mazatlán liegt im Bundesstaat Sinaloa, der die Heimat des mächtigsten Drogenkartell Mexikos ist. El Chapo, der berühmt-berüchtigte Drogenboss, war bis zu seiner Festnahme das Oberhaupt des sogenannten Sinaloa-Kartells. Mit diesem Wissen fuhren wir dementsprechend etwas angespannt nach Mazatlán, auch wenn diese Stadt zu den wenigen mehr oder sicheren Städten in Sinaloa gehört. Die Stadt ist relativ jung und dementsprechend wenig Sehenswürdigkeiten gibt es dort. Mazatl´´an ist vielmehr für seinen Hafen – den bedeutendsten in ganz Mexiko – und seine wunderschönen, langen Strände bekannt.

In Mazatlán angekommen, suchten wir zunächst wie üblich die Stadtbuchstaben und danach ein Restaurant, nachdem wir mitbekommen hatten, dass wir dank der Zeitverschiebung eine Stunde mehr Zeit haben würden bis die Fähre abfuhr. Diese Zeit nutzen wir neben dem Essen auch noch für einen kurzen Spaziergang am Strand und am Malecón (=Strandpromenade). Dieser war zwar ganz nett, aber er hat mir weniger gut gefallen als der in Puerto Vallarta, da er direkt an einer großen Straße entlang führte und zu schmal war, um der lauten Geräuschkulisse und den Abgasen zu entgehen.

Impressionen aus Mazatlán

Zum Glück machten wir uns gegen 16 Uhr auf den Weg zur Fähre, denn dort angekommen erfuhren wir, dass die Fähre bereits 18 Uhr und nicht erst, wie bei der Buchung angekündigt, um 18.30 Uhr. Zudem brauchten wir noch unsere Tickets und das stellte sich als äußerst langwierig heraus. Nachdem endlich die Tickets für uns 5 fertiggestellt waren, stellte sich heraus, dass nirgendwo vermerkt war, dass wir ebenfalls einen Platz für unseren Hund gebucht hatten. Nach halbstündiger Diskussion und nochmaligem Bezahlen für Lailas Ticket, hatten wir endlich unsere Tickets in der Hand und durften an Bord. Mittlerweile waren es nur noch 30 min bis zur Abfahrt und wir leicht gestresst.

Zu allem Überfluss durften wir nicht gemeinsam an Bord gehen. Mein Mann musste das Auto alleine auf die Fähre fahren und durfte bzw. musste Laila bei sich behalten. Außerdem wurde uns am Ticketschalter gesagt, dass wir keine Reisetaschen o.ä. mit auf die Fähre nehmen dürften, sondern nur eine kleine Handtasche und / oder einen kleinen Beutel. Eigentlich hatten wir eine kleine Reisetasche mit Fleecedecken und Zusatzjacken gepackt, da wir ja für die nächtliche Überfahrt keine Kabine mehr bekommen hatten und auf dem Boden nächtigen mussten. Die mussten wir also auch noch im Eiltempo auspacken und auf unsere Arme verteilen. Während mein Mann mit dem Auto nach dem Eingang zum Fährbauch suchend über den Hafen fuhr, liefen die Kinder und ich im Stechschritt zur Fähre.

Autofähre von Mazatlán nach La Paz

Nach zwei Kontrollen unserer Tickets und Personalien kamen wir mit der letzten Gruppe an der Fähre an, doch bevor wir einsteigen konnten, mussten wir uns alle aufreihen und unser Gepäck vor uns ablegen. Anschließend wurden wir von zwei schäferhundähnlichen Hunden abgeschnuppert und von 3 bewaffneten Soldaten kritisch beäugt. Ich kam mir vor ein Schwerverbrecher oder alternativ wie ein Flüchtling. Zu letzterem passte zumindest unser Hotten-Totten-mäßiges Aussehen dank zerwurschtelten Decken und einzelnen Keks- und Spielepackungen, die auf einem Haufen vor uns lagen.

Aus der Ferne konnte ich sehen, dass meinem Mann ein ähnliches Prozedere widerfuhr: Er musste mit Laila aussteigen, sich mehrere Meter vom Auto entfernen, während dieses komplett von Soldaten und Hunden kontrolliert wurde. Um 17.50 Uhr waren wir endlich auf dem Schiff und machten uns sofort auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Durch Zufall fanden wir in einem großen Raum mit flugzeugähnlichen Sitzen zwei freie Sitzplätze mit viel Platz dahinter und beschlagnahmten diese sofort für uns.

Nachtlager auf dem Schiffsboden für 5 Leute

Mit diesem Nachtlager waren wir keinesfalls alleine. Die meisten der Schiffsgäste kampierten so wie wir und waren oft noch weniger gut ausgestattet als wir. Die Kinder bekamen ganz gut Schlaf ab, für uns Erwachsene war der harte Fußboden weniger bequem und ich wachte oft nachts auf. Der Fernseher, der ab 19 Uhr bis tief in die Nacht Ballerfilme zeigte – das fand ich ganz besonders berauschend, weil ich ständig aufpassen musste, das keines meiner Kinder ausversehen zuschaut -, tat sein übriges.

Laila durfte im Übrigen nicht mit bei uns sein, sondern musste in einen gesonderten Bereich für Tiere, wofür wir ihren Käfig mitbringen mussten. Um sie zumindest ein wenig vor dem stieren blutunterlaufenden Blick der sich im Nebenkäfig befindlichen Bulldogge zu schützen, legten wir ihr eine Decke über ihren Käfig und ließen sie schweren Herzens alleine zurück.

Bereich für die Tiere

Am nächsten Morgen kamen wir pünktlich gegen 8 Uhr am Fährhafen von La Paz an. Leider mussten wir wieder getrennt das Schiff verlassen und ich musste mit den Kindern durch eine Sicherheitskontrolle ähnlich wie am Flughafen gehen. Wozu das dienen sollte, nachdem wir bereits in Mazatlán ausgiebig kontrolliert worden waren, weiss ich nicht. Wie sollte man bitteschön bei der nächtlichen Überfahrt mit Sack und Pack auf das Schiff gelangen?! Trotzdem ließen wir natürlich die gesamte Prozedur lächelnd über uns ergehen, zeigten gerne 3 verschiedenen Beamten unseren Reisepass und das Touristenvisum – unsere green card befand sich gerade im Erneuerungsprozess – und erklärten gerne 5 mal, warum wir keine green card besitzen, obwohl wir in Mexiko wohnhaft sind.

Mein Mann hatte ein ähnlich schönes Erlebnis. Nachdem er mit der ziemlich verängstigten Laila an der einen Hand und den großen geklappten Käfig in der anderen Hand die engen Schiffstreppen hinunter zum Auto gestolpert und die Fähre verlassen hatte, fuhr er auf der Suche nach uns auf dem Hafen herum. Dabei geriet er gleich in eine erste Militärkontrolle und wurde mit Fragen bombardiert, die er ob ihrer Dämlichkeit am liebsten nicht beantwortet hätte.

„Was machen Sie hier am Hafen?“ fragte der Soldat, der sah, wie mein Mann die Fähre verließ.
„Wo kommt die Fähre her?“
„Wo kommen Sie her?“
„Wo kamen sie vorher her?“
„Wo wollen Sie hin?“

„Was wollen Sie hier?“
„WO KOMMT DIE FÄHRE HER?“


Trotz des Gefühls der Schikane beantwortete mein Mann brav lächelnd alle Fragen und bekam sogar noch eine Antwort auf seine Frage, wo der Abholpunkt für Mitreisende von der Fähre wäre.

Kurz hinter dieser Kontrolle stand ein weiterer netter Mann und verlangte eine Hafennutzungsgebühr von 180 Pesos (ca. 8 €). Mein Mann wagte es mit den Worten „Ich möchte den Hafen aber gar nicht nutzen, sondern nur überqueren.“ zu widersprechen, was ihm einen äußerst grimmigen Blick und einen wüsten Wortschwall einbrachte. Letztendlich blieb ihm nichts anderes übrig als zu bezahlen, denn auch das Überqueren des Hafens wurde als nutzen angesehen.

Auf der weiteren Suche nach dem Abholpunkt von uns verfuhr sich mein Mann und landete prompt in einer zweiten Militärkontrolle. Bei dieser durfte er zunächst die gleichen Fragen wie bei der ersten Kontrolle beantworten und als Strafe dafür, dass er den falschen Weg gefahren war, auch noch das komplette Auto auspacken. Einhändig, weil er mit der anderen Hand die ganze Zeit Laila festhalten und beruhigend auf sie einreden musste. Nachdem der nette Soldat dann noch willkürlich unsere Koffer durchsucht und – oh Wunder! – nichts gefunden hatte, durfte mein Mann unter der strengen Aufsicht des Soldaten alles wieder einräumen.

Bei der Weiterfahrt kam mein Mann an einer dritten Militärkontrolle vorbei und er verlor so langsam seine Geduld und sein Lächeln. Während er sich schon darauf gefasst machte, wieder die gleichen Fragen zu beantworten, fragte der dieses mal wirklich nette Soldat nur „Wie geht’s?“ und winkte ihn durch. Endlich fand mein Mann den Abholpunkt mitsamt Parkplatz, dessen Nutzung im jedoch erst gestattet wurde, nachdem der Parkplatzwächter unser Auto von allen Seiten mit Pestiziden abgespritzt hatte – natürlich gegen einen kleinen Obolus.

Um 9.30 Uhr waren wir endlich wieder vereint und nachdem wir das Gepäck im Auto wieder ordentlich sortiert hatten, machten wir uns auf den Weg in das 2 Stunden entfernte Cabo San Lucas, dem ersten mehrtägigen Aufenthaltsort unserer Reise.

Landschaft zwischen La Paz und Cabo San Lucas

Neben den offiziellen Rastplätzen, die quasi immer an eine Tankstelle angegliedert sind und lediglich aus dem Supermarkt Oxxo und einem kleinen dazugehörigen Parkplatz bestehen, gibt es noch die privaten Rastplätze. Wenn der Seitenstreifen breit genug ist, stellen dort private Leute ihre „Zelte“ auf und kochen und verkaufen typisch mexikanische Gerichte wie z.B. Tacos oder Enchiladas.

Rastplatz am Rande der Autobahn

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