Mariposa Monarca in Michoacán

Nachdem ich von einer deutschen Freundin kürzlich von den Monarchfaltern – in Mexiko haben diese den wunderschönen Namen „Mariposa Monarca“ – gehört habe, beschlossen wir kurzfristig dort dieses Wochenende hinzufahren. Die Monarchfalter schlagen alljährlich ihr Winterlager in einem Wald  in Michoacán auf, um dort in einem Schutzgebiet von ca. November bis März zu überwintern. In dem Schutzgebiet gibt es mehrere Winterlager und wir fuhren zum Santuario de la Mariposa Monarca „El Rosario“. Im März machen sich die Schmetterlinge dann wieder auf den Weg zurück nach Nordamerika und legen eine Strecke von ca. 4500 km zurück, was ich phänomenal finde.

Reiseroute von San Luis Potosí zum Reserva de la Biósfera de la Mariposa Monarca, nach Morelia und wieder zurück

Da die Autofahrt bis dorthin gute 5 Stunden beträgt, machten wir uns am Samstag bereits um 7.30 Uhr auf den Weg (rote Strecke). Zwar nölten die Kinder anfangs rum, dass sie müde seien und am Wochenende ausschlafen wollen, aber nach einem guten Frühstück im Auto bei neuen Hörbüchern stieg die Laune merklich.

Früher hatten wir einen Käfig für Laila im Kofferraum, aber der ist inzwischen zu klein. Um vorne zwischen meinen Beinen zu sitzen, ist sie mittlerweile auch zu groß, weswegen wir nun erstmalig mit Gepäck und ihr im Kofferraum fuhren und ich muss sagen, dass es echt gut klappte. Sie hatte deutlich mehr Bewegungsfreiheit als vorher und das Gepäck war natürlich gut verzurrt, sodass es nicht auf sie fallen konnte. (Ja, für eine Übernachtung sieht das recht viel aus, aber eine Tasche war komplett mit Fleecedecken gefüllt, weil man nie weiss wie die Temperaturen nachts im Hotel so sind.)

Hund und Gepäck passen wunderbar in den Kofferraum

Nach einer recht unspektakulären Fahrt erreichten wir gegen 12 Uhr die Schmetterlingsregion. Überall waren große Schilder zu sehen, die uns den Weg wiesen, doch die letzten 15 km kamen wir nur langsam vorwärts. Zuerst  lag es nur an den steil ansteigenden, serpentinenähnlichen Straßen in mittelmäßigem Zustand, denn das Schutzgebiet liegt ca. auf 3000 m Höhe.

Landschaft auf dem Weg ins Schutzgebiet der Monarchfalter

Doch bald mussten wir zusätzlich auf sich halb vors Auto werfende Kinder aufpassen, die Geld, Essen oder Kleidung haben wollten. In dieser Präsenz und Penetranz haben wir das bisher noch nicht erlebt. Eine „Kinderbande“ – das waren 3 Jungs im Alter von ca. 7-9 Jahren – hatte sogar ein Absperrband über die Straße gespannt, um die Autos zum Anhalten zu zwingen. Da dies aber mitten in einem nicht einsehbaren Waldstück war, sind wir einfach durchgefahren. Leider muss man bei solchen Aktionen damit rechnen, dass hinter großen Felsen oder Bäumen die dazugehörigen Eltern / Erwachsenen mit Waffen lauern und einen dann überfallen.

Nachdem wir diese letzten Kilometer geschafft hatten, ging die Suche nach einem Parkplatz los. Da wir wussten, dass es einen offiziellen Parkplatz gibt, schlugen wir die Angebote der gefühlt hundert anderen Parkplatzwächter „auf unser Auto aufzupassen“ aus. Der große Parkplatz war recht weit vom Eingang weg und ebenfalls übersät mit Kindern und Erwachsenen, die einem „helfen“ wollten. Kaum hatten wir geparkt, kamen eine Handvoll Kinder, die uns ca. 30 Sekunden etwas vorsangen und sofort ein „money, money“ hinterschoben. Außerdem wollten sie auf unser Auto aufpassen, es putzen, auf Laila aufpassen usw. Leider ließen die sich auch allesamt nicht abwimmeln, im Gegenteil: mir wurde schon fast Lailas Leine aus der Hand gerissen.

Auf der einen Seite finde ich es wirklich schade, dass dem Ganzen dort nicht irgendwie Einhalt geboten wird, denn die Schmetterlinge sind eine große Touristenattraktion und viele Touristen sahen durch dieses penetrante Bedrängen sehr verschreckt aus. Es wirft leider kein gutes Licht auf Mexiko, dabei haben wir hier bisher wirklich so viel Tolles erlebt und viele nette Leute kennengelernt. Auf der anderen Seite verstehe ich natürlich auch die Kinder und Familien, die von diesem Touristenandrang leben (müssen) und sich nicht anders zu helfen wissen.

Vom Parkplatz aus muss man noch eine ganze Weile hoch zum eigentlichen Eingang laufen, aber der Weg ist klugerweise mit Hunderten von Ständen gesäumt. Dort kann man alles kaufen, was das (Touristen-)Herz begehrt.

Souvenirstände auf dem Weg zum Eingang

Am Eingang angekommen, gab es wie so oft ein Hunde-verboten-Schild. Nach wie vor verstehe ich das überhaupt nicht, denn auch in dieser Region gab es viele, viele wilde Hunde, sodass wir zu tun hatten mit Laila unbehelligt vom Parkplatz bis zum Eingang zu kommen. Deswegen haben wir auch mit einem Parkwächter diskutiert, ob wir Laila nicht trotzdem mit reinnehmen könnten. Wir hätten sie ja immer an der Leine behalten und auch ihr Geschäft entfernt. Zu meiner großen Überraschung standen plötzlich mehrere Mexikaner neben uns und diskutierten fleißig mit. Sie meinten, dass es eigentlich unerhört wäre, dass in Mexiko an so vielen Orten Hunde verboten wären, die in anderen Ländern kein Problem darstellen würden (stimmt ja auch, gerade Parks usw. sind hier für Hunde oft nicht zugänglich). Und außerdem seien wir doch Touristen und da könne er mal ein Auge zudrücken.

Leider ließ sich nichts machen und er verwies stattdessen auf einen recht baufälligen Verschlag, wo wir Laila, während wir uns die Schmetterlinge anschauen, anleinen könnten. Das kam für uns nur überhaupt nicht in Frage, da a) so eine Tour ca. 3 Stunden dauert  und es für sie nicht zumutbar ist und b) jede dahergelaufene Person Laila einfach hätte mitnehmen können. Also gingen die Kinder und ich alleine den offiziellen, abgezäunten Weg – der Eintritt war wie so oft in Mexiko sehr günstig. Ca. 2 € pro Person – und mein Mann lief mit Laila einen Parallelweg. Wir hofften, dass wir uns irgendwo treffen könnten und dann eine fixe Übergabe mit Laila machen könnten, damit alle die Schmetterlinge sehen können.

Vom Eingang aus sind es ca. 3 km bis zu dem eigentlichen Schutzgebiet der Schmetterlinge, die nur zu Fuß oder per Pferd, welches man sich mieten kann, zu erreichen sind. Da es die ganze Zeit ziemlich steil bergauf ging, war v.a. die Kleine relativ schnell erschöpft, weswegen wir eine gute Stunde brauchten. Die Wege sind am Anfang noch mit so was ähnlichem wie Treppen ausgestattet, doch recht bald sind es dann nur noch normale Waldwege mit vielen Wurzeln und Steinen.

Wege im Wald

(Oben angekommen hatten wir übrigens kein Netz mehr, sodass mein Mann und ich unsere Standorte nicht mehr abgleichen konnten. Dementsprechend fiel ein Treffen eh flach.) Dort oben gab es dann eine Einbahnstraßen-Rundtour, was zugunsten der Schmetterlinge gemacht wurde. Es wurde versucht so wenig wie möglich in die natürliche Landschaft einzugreifen, d.h. die Leute konnten nur sehr langsam auf einem sehr schmalen Pfad vorwärts gehen. Nach knapp 5 min wurden wir aber für die bisherige Anstrengung belohnt und sahen Hunderte von Schmetterlingen um uns herum fliegen.

Ein paar Meter weiter sahen wir dann riesige Schmetterlings-Trauben, die von den Bäumen hingen und diese orange-schwarz färbten. Die Schmetterlinge hängen sich dicht aneinander gedrängt in Trauben auf, um sich vor den Temperaturen zu schützen. Es war ziemlich schwierig in dem Halbdunkel des Waldes vernünftige Fotos zu machen, weil man kein Blitzlicht verwenden durfte, um die Tiere nicht zu stören. Ich hoffe, man erkennt etwas trotzdem etwas.

Monarchfalter in Trauben an den Bäumen

Wenn man sich das Schauspiel anschauen möchte, ist es wichtig zur richtigen Zeit dort zu sein, da die Schmetterlinge nur fliegen, wenn es warm genug und wenig bis gar nicht bewölkt ist. Aus diesem Grund hatten wir ca. 13-14 Uhr angepeilt, weil das die perfekte Zeit sein soll. Es war tatsächlich großartig sich das Spektakel anzusehen. Überall um einen herum flogen und flatterten Schmetterlinge und wir mussten sogar beim Laufen aufpassen, dass wir nicht auf die Monarchfalter treten, weil diese sich auch einfach auf dem schmalen Pfad niederließen. Im Gegensatz zu den Schmetterlingen, die man sonst so im Garten oder Park sieht, waren diese auch sehr zutraulich – wenn man bei einem Schmetterling davon reden kann – und setzten sich auch auf die Hände, Köpfe und Arme der Leute drauf, sodass man sie auch aus nächster Nähe betrachten konnte.

Die Gesamtanzahl der Schmetterlinge, die wir gesehen haben, ist schwer zu schätzen. Es waren definitiv mehrere Hunderttausend und ich würde sogar sagen, über 1 Million. Also wirklich viele.

Nach dem ca. 30-minütigen Rundgang ging es wieder bergab und auf der Hälfte des Rückweges trafen wir auch meinen Mann mit Laila wieder, die es geschafft hatten, sich bis zu dem offiziellen Weg durchzuschlagen. Da mein Mann auf seinem Streifzug durch den Wald auch schon Schmetterlinge gesehen hatte, verzichtete er darauf noch mal nach oben zu gehen und wir setzten unseren Abstieg gemeinsam durch den Wald fort.

Lailas Freude uns wiederzusehen war so groß, dass sie mich – mal wieder mit schlammigen Pfoten – ansprang und den Rest des Tages verzierte ihr Pfotenabdruck meine Hose. Ich war so froh, dass meine Kinder inzwischen groß genug sind, um mich nicht mehr permanent vollzukleckern, und jetzt übernimmt Laila den Job. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Dafür war der Spaziergang durch den Wald herrlich, denn das haben wir in der Form in San Luis nicht. Unberührte Natur, Bäume, Stille – einfach nur toll und es kamen auch gleich ein bisschen Heimatgefühle auf. Auch Laila genoss es ohne Leine durch die Gegend zu streifen und alles zu erkunden.

Einsamer Streifzug durch den Wald

Unten angekommen fing es plötzlich an zu regnen und gewittern, sodass wir froh waren als wir wieder im Auto saßen und es Richtung Morelia (blaue Strecke), der Hauptstadt von Michoacán, ging. Nach 2 Stunden und wunderschönen Landschaften kamen wir dort ziemlich geplättet an. Unglaublich, wie anstrengend 7 Stunden Autofahrt und 3 Stunden wandern sein können. Mein Mann besorgte noch Pizza und dann fielen wir recht zeitnah ins Bett.

Sonntagvormittag haben wir uns das sehr schöne Zentrum von Morelia angeschaut. Glücklicherweise  gab es an diesem Tag ein Fahrrad-Event, weswegen eine sehr große Hauptstraße gesperrt war und man dort wunderbar ohne Autoverkehr und Abgase flanieren konnte. Außerdem haben wir an diesem Tag so viele angeleinte Hunde gesehen wie noch nie. Keine Ahnung, ob es etwas mit dem Event zu tun hatte – denn viele Fahrradfahrer hatten Hunde dabei – oder ob in Morelia generell mehr Hundehalter ihre Hunde ausführen. Ich fand es super (v.a. wenn man an die Hundehaltungsbedingungen hier denkt) und wir haben sogar einen schwarzen Labrador gesehen, der eins zu eins so aussah wie Laila. Sogar die Größe war gleich.

Zentrum von Morelia

Im Zentrum gab es natürlich auch mehrere Schuhputzer. Die stehen in Mexiko in so ziemlich jeder halbwegs großen Stadt und werden auch gut besucht. Ich selber kann es mir überhaupt nicht vorstellen mir dort die Schuhe putzen zu lassen. Da würde ich mich ziemlich komisch und „von oben herab“ fühlen.

Schuhputzthron

Nach einem abschließenden Spielplatzbesuch sind wir noch kurz zu dem dortigen H&M gefahren – auch den gibt es in San Luis leider nicht und ich kaufe dort gerne die Basics für die Kinder ein – und dann ging es um 15 Uhr auch schon wieder Richtung Heimat (grüne Strecke). Nach 4 Stunden Fahrt kamen wir gegen 19 Uhr in San Luis an, hielten noch kurz bei McDoof, um ein paar Chicken Nuggets für die völlig ausgehungerten Kinder, die eigentlich während der gesamten Autofahrt nichts anderes taten als essen, einzusacken und dann ging es etwas verspätet um 20 Uhr ins Bett. Am nächsten Tag war ja schon wieder Schule und das bedeutet aufstehen um 6 Uhr. In Summe sind wir an diesem Wochenende 900 km in ca. 12 h gefahren.

Obwohl das Wochenende recht fahrintensiv und ein bisschen anstrengend war, war es trotzdem wie ein kleiner Mini-Urlaub und die Fahrt zu den Schmetterlingen hat sich total gelohnt! Und schon allein wegen der interessanten und sehr unterschiedlichen Landschaften macht es immer wieder Spaß durchs Land zu reisen.

Landschaft auf dem Weg nach San Luis Potosí

Nachtrag: Hinterher haben wir diesen Artikel gelesen. Hätten wir ihn vorher gelesen, wären wir wohl nicht ganz so sorglos im Wald herumspaziert.

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