Zacatecas & La Quemada

Während der Corona-Krise reisen – geht das? Ja, bedingt, da in Mexiko noch keinerlei Ausgangsbeschränkungen gelten. Trotzdem sollte man in einsame Gebiete reisen, andere Personen meiden, dementsprechend möglichst weder in Restaurants noch Hotels einkehren und unterwegs unbedingt die Grundhygieneregeln beachten.

Wir haben zur Zeit Besuch aus Deutschland und wollten eigentlich nächste Woche gemeinsam unsere 3-wöchige Yucatán-Rundtour starten. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir den Urlaub schweren Herzens auf unbestimmte Zeit verschoben. Um unserem Besuch aber trotzdem ein wenig Mexiko zu zeigen und auch den Tourismus, der es zur Zeit schon schwer genug hat, zumindest ein wenig zu unterstützen, entschlossen wir uns einen Ausflug nach Zacatecas und La Quemada zu machen.

Route SLP – Zacatecas, Fahrtzeit ca. 2 h
Zacatecas

In Zacatecas waren wir bereits vor ziemlich genau einem Jahr und konnten dieses Mal von unserer Stadtkenntnis profitieren. Wir fuhren am frühen Vormittag los und nahmen ausreichend Proviant für den ganzen Tag mit, da wir in kein Restaurant gehen wollten. Zuerst steuerten wir den Ecoparque an, der in der Nähe des Aussichtspunktes Cerro de la Bufa liegt. Allerdings war der Park wegen des Coronavirus geschlossen, weswegen wir weiter zum eben genannten Aussichtspunkt fuhren. Diesen besuchten wir bereits vor einem Jahr mit dem Unterschied, dass sich damals auf dem großen Platz große Menschenmassen tummelten. Dieses Mal herrschte gähnende Leere und es hatten nur wenige der Souvenirshops geöffnet.

Platz des Cerro de la Bufa

Wir stiegen bis zum höchsten Punkt des Hügels hinauf und hatten wie schon beim letzten Mal einen wunderbaren Ausblick über die Stadt.

Unten rechts: Viele alte Gebäude und Mauern sind mit kleinen Steinen verfugt.
Unten mitte: Weg hinauf zum höchsten Punkt des Hügels.

Danach fuhren wir durch das Stadtzentrum – und blieben bewusst im Auto – bis zu dem kleinen restaurierten Aquädukt Zacatecas. Mittlerweile haben wir so viele davon in Mexiko gesehen, dass selbst die Kleine diese Bauwerke auf Anhieb erkennt und weiss wozu diese dienten. Das Aquädukt steht neben dem hübschen kleinen Park Sierra de Alica, der zum Flanieren und Verweilen einlädt. Nicht weit entfernt gibt es das Luxushotel Quinta Real, welches eine Stierkampfarena des 19.Jhdts restauriert und umgebaut hat und somit eine beeindruckende Kulisse bietet.

Auch das Aquädukt wies wieder diesen architektonisch auffallenden Baustil auf, was mir persönlich sehr gut gefällt und der Stadt einen ganz eigenen Charme verleiht.

Acueducto de Zacatecas

Von dort aus fuhren wir zu der 50 km entfernten vorkolumbischen Ruinenstätte La Quemada.

La Quemada
Route Zacatecas – La Quemada, Fahrtzeit ca. 40 min

La Quemada liegt im Süden Zacatecas und erstreckt sich über einen großen Hügel, wobei die aus Steinplatten und Adobe-Ziegeln erbauten Gebäude über den gesamten Bergrücken verteilt liegen. Die Blütezeit dieses Kultzentrums war ca. von 700-1100 n.Chr. und fand, ausgehend von den gefundenen Rauchspuren, höchstwahrscheinlich ein gewaltsames Ende. Heutzutage dient La Quemada nur noch als archäologische Stätte, bei der der geschichtliche Hergang nach wie vor viel Raum für unterschiedlichste Interpretationen lässt.

Rings um die Stätte ist quasi nichts außer einem See und viel flacher Ebene gesäumt mit einer Unmenge an Kakteen.

Landschaft rings um die Ruinenstätte

Am Parkplatz zahlt man einen Eintritt von 65 Pesos pro erwachsener Person (ca. 3 €) und danach kann man sich relativ frei auf dem riesigen Gelände bewegen. Bis auf ein paar einsame Ruinenwächter, die hier und dort stationiert sind, sahen wir quasi keine Menschenseele. Vom Parkplatz aus kommt man zunächst am Salón de las Columnas (= Säulenhalle) vorbei, der damals vermutlich als Versammlungsplatz genutzt wurde.

Von dort aus hat man eine wunderbare Sicht auf die weiter entfernt liegenden, auf mehreren Ebenen erbauten Anlagen und die eindrucksvolle 11 m hohe Votivpyramide, an der heutzutage nur noch ein Bruchteil der steilen Treppe vorhanden ist. Diese führte früher bis hoch zur Spitze.

Votivpyramide

Links von dieser sind die sich auf einem Plateau befindlichen Reste einiger Gebäude zu sehen. Diese sind über zwei Wege, die etwas bequemere und „altersfreundliche“ Treppe Escalera Sur (= südliche Treppe) oder die steile, 75 Treppenstufen umfassende Escalera Solar (= Sonnentreppe) zu erreichen. Für den Aufstieg benutzten wir die herausfordernde Sonnentreppe, die öfters den Einsatz unserer Hände erforderte, da sie nicht nur steil, sondern auch eine eigenartige Treppenstufenhöhe von bis zu 50 cm hatte. Bereits in Teotihuacán fragte ich mich, wieso die damaligen Bewohner solch unkomfortable Treppen erbauten, doch ich weiss bis heute keine Antwort.

Die Escalera Solar aus allen Perspektiven.

Oben rechts: Links der Mauer führt die Escalera Sur vorbei, während links die Escalera Solar (die eher einer steilen Mauer als einer Treppe ähnelt) zu sehen ist.

Der Aufstieg lohnt sich aber in jedem Fall, denn von dort hat man eine fantastische Aussicht über die umliegende Ebene.

Aussicht von der mittleren Ebene aus

Auf dieser Ebene befinden sich auch die Überreste von Wohnsiedlungen der damaligen Elite. Noch gut zu erkennen sind die Plätze der Säulen und des dazwischen liegenden Innenhofs.

Von dort aus gibt es weitere Treppen – die jedoch teilweise kaum als solche zu erkennen sind – zu den restlichen Ebenen, doch die haben wir nur unvollständig erkundet, was teils der unerträglichen Hitze, teils den wenig erbaulichen „Achtung vor Schlangen“-Schildern geschuldet war.

Die „Treppe“ von Ebene 2 auf Ebene 3.

Nach einiger Zeit machten wir uns wieder an den Abstieg und benutzten dieses Mal die deutlich bequemere Treppe. Gegen 15 Uhr traten wir den Heimweg an, um pünktlich vor Einbruch der Dunkelheit wieder zuhause zu sein.

Einen Ausflug nach La Quemada kann ich definitiv empfehlen, denn auch wenn die Stätte kleiner oder verfallener ist als andere bekannte archäologische Zonen, so ist es doch immer wieder aufs Neue imposant solche Bauwerke zu sehen. Bauwerke, die die Menschen damals mit wenig Werkzeug auf solchen Höhen errichtet haben und ohne computer- oder taschenrechnerbasierten Rechnungen und Zeichnungen so genau konstruiert und berechnet haben. Das ist immer wieder eine eindrucksvolle Leistung.


Wenn man sich die Entwicklungen in anderen Ländern so anschaut und dabei beachtet, dass auch in Mexiko schon seit einer Woche Schulen und viele öffentliche Plätze geschlossen sind, dann wird es vermutlich auch hier in absehbarer Zeit zu Ausgangsbeschränkungen oder -sperren kommen. Von daher haben wir diesen, für die nächsten Wochen vermutlich letzten, Ausflug noch einmal ganz besonders genossen.

Ein Kommentar zu “Zacatecas & La Quemada

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