Matanchén

Um möglichst viel von unserem ersten Urlaubstag zu haben, fuhren wir kurz nach Sonnenaufgang los. Für mich waren vor allem die Reaktionen unseres deutschen Besuches sehr interessant, denn nach so vielen Reisen quer durchs Land war die Landschaft für uns normal geworden. Unser Besuch bestaunte jedoch die nebelverhangenen Berge, die zunächst karge, weite Ebene, die sich rötlich färbendenen Felder, die an Hügeln angebauten Agavenfelder und schlussendlich den Dschungel von Nayarit. So erlebte ich durch seine Augen vieles erneut zum ersten Mal, wodurch die Anfahrt deutlich spannender wurde.

Wandel der Landschaft im Laufe der Reise

Doch nicht nur die Beobachtung der allgemein üppiger und grüner werdenen Landschaft war interessant, sondern auch die Veränderung ein- und desselben Gebiets. Da wir letztes Jahr im April bereits diese Strecke entlangfuhren, war dies sehr gut möglich. Während in Deutschland Ende April vieles grünt und frisch aussieht, ist in Jalisco wegen der Hitze schon vieles vertrocknet und gelb/braun. Erst im Juni/Juli, wenn die Regenzeit beginnt, sieht es wieder viel lebendiger aus.

Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir in Matanchén an. Da wir wie immer auf der cuota, der Bezahlautobahn, fuhren, kamen wir auch an Mautstationen vorbei. In Nayarit saßen jedoch in allen Mautstationen Bewohner der jeweiligen Gegend und versperrten die Straße. Dabei hielten sie große Banner mit der Aufschrift „La lucha sigue. Exigimos el pago de nuestra tierra.“ (auf deutsch „Der Kampf dauert an. Wir fordern die Zahlung für unser Land.“) in die Höhe und man durfte nur weiterfahren, wenn man 50 Pesos bezahlte. Auch, wenn das weniger ist als die eigentliche Maut, fühlten wir uns leicht unwohl.

Dabei waren die Bewohner nicht angriffslustig o.ä., sondern versuchten nur auf diese Weise ihr rechtmäßiges Geld zu erlangen. Denn die Regierung beschloss Autobahnen quer durch den Dschungel und teilweise über die Felder zu bauen und versprach den Bauern im Gegenzug ihnen 10 Jahre lang finanzielle Entschädigung zu geben. Nach ausreichend langer Wartezeit, in der die Bauern genau 0 Pesos erhielten, reichte es ihnen nun und sie kaperten die Mautstellen. Das wird auch von der Regierung geduldet, vielleicht, weil sich das schlechte Gewissen regt.

Gekaperte Mautstation. Links und rechts von ihr campten die Bewohner in Zelten, um sie Tag und Nacht zu bewachen.

Matanchén selbst ist ein kleines Dorf, das quasi nur aus einer parallel zum Strand verlaufenden Hauptstraße besteht. Fast alle Häuser befinden sich zwischen dieser Straße und dem Strand, sodass jeder einen privaten Strandzugang hat. Wer ein ruhiges und einsames Fleckchen Erde sucht, ist hier genau richtig. Matanchén hat außer einer Handvoll kleiner Restaurants, einem Oxxo und dem Cocodrilario nichts zu bieten und auch der Dorfcharme lässt zu wünschen übrig.

Wir waren mit unserer Wahl sehr zufrieden, da wir genau so etwas für unseren „Corona-Urlaub“ suchten. Das typisch mexikanisch eingerichtete Ferienhaus inklusive eigenem Garten und Pool war fantastisch. In allen Räumen gab es Klimaanlagen, was bei dem feuchtschwülen Wetter bei 35 °C auch dringend notwendig ist, und es gab sowohl innen als außen viele liebevolle Details wie z.B. handbemalte Wände. Auch, wenn das Haus mit 200 € pro Nacht teurer war als andere, so war es die bisher beste Unterkunft, die wir in Mexiko hatten.

Die meiste Zeit unseres Urlaubs verbrachten wir im Garten und Pool, allerdings waren wir auch täglich verbotenerweise am Strand, obwohl dieser geschlossen war. Da wir uns jedoch nicht häuslich niederließen und dort immer nur kurz waren, versicherten uns alle Mexikaner, dass dies so ok wäre. Mexiko eben.

Am Strand war es leider sowieso nicht so schön, wobei ich nicht weiss, ob dies an der Pandemie lag oder generell so ist. Ungefähr alle 10 Meter lagen tote Muränen herum und wir hatten alle Hände voll zu tun, dass Laila sich nicht voller Heißhunger draufstürzt. Wir fanden sogar einen Igelfisch und da diese giftig sind, sank meine ohnehin spärlich vorhandene Lust, im Meer baden zu gehen, auf den Nullpunkt. Aber zumindest Laila hatte ihre helle Freude am Wasser und insbesondere in den Abendstunden sah der Strand sehr malerisch aus.

Einen weiteren tierischen Freund fand Laila in unserem Garten. Bereits in unserem letzten Urlaub in dieser Region sahen wir des Öfteren Leguane und der Mittlere konnte sogar einen streicheln. Während ich mich über diesen besonderen tierischen Besuch freute und am fotografieren war, kam Laila plötzlich angeprescht und schnappte ihn sich. Nach dem ersten Schreck, einer wilden Jagd durch den Garten – sie war nämlich überhaupt nicht gewillt ihren „Spielfreund“ wieder herzugeben – konnten wir sie schlussendlich dazubringen ihn wieder loszulassen. Das fand sie wenig witzig und sie stand den Rest des Tages fast ununterbrochen am Gartentor – und sah dabei aus wie ein kleiner Bär – und suchte ihren Freund, denn dorthin hatten wir ihn im Anschluss gebracht. Interessanterweise hatte sie ihn überhaupt nicht verletzt, sondern nur sehr vorsichtig im Maul gehalten. Den Schock seines Lebens hat der Leguan aber vermutlich trotzdem bekommen.

Die Befreiung des Leguans

Die beiden einzigen Ausflugsziele in Matanchén sind das Cocodrilario und die Playas Las Islitas.

Cocodrilario

Bereits der Weg zum Cocodrilario – quasi ein kleiner Zoo mit dem Schwerpunkt auf Krokodilen – ist so abenteuerlich, dass wir ein paar Tage überlegten, ob wir die Fahrt dorthin wagen sollten. Die Straße war einspurig, hatte ihre besten Tage bereits hinter sich und führte ziemlich nah am ungesicherten Abgrund vorbei. Abgesehen davon führt sie durch Obstplantagenfelder und durch wunderschöne unberührte Natur, besser gesagt Dschungel.

Weg zum Cocodrilario. Das obere Schild sieht besonders interessant aus.

Das Cocodrilario war wie vermutet wegen der Covid-19 geschlossen. Somit konnten wir es uns nur von außen angucken und, bis auf das es deutlich älter aussah, erinnerte es mich von der Aufmachung und Lage her an den Zoo von Puerto Vallarta, den wir letztes Jahr besucht haben. Es wäre einen Besuch bestimmt wert gewesen.

Las Islitas

Las Islitas bedeutet so viel wie „die Inselchen“ und beschreibt die Landspitze ganz gut, denn direkt am Strand befinden sich mehrere kleine Inseln, die meist fußläufig durch das flache Wasser zu erreichen sind. Ansonsten ist die Region ein einziger langer Strand, an dem sich Restaurant an Restaurant reiht und ist ein beliebter Surfertreffpunkt.

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