Heimat“urlaub“

Nach fast 2 Jahren kehrten wir erstmals wieder nach Deutschland zurück. Ich hatte mich oft gefragt wie es wohl werden würde Freunde und Familie, vertraute Geräusche und die bekannte Umgebung wiederzusehen. Würden die Kinder alles wiedererkennen? Sind uns unsere Freunde fremd geworden? Inwieweit hat uns Mexiko verändert?

Vor 3 Wochen war es soweit und wir reisten aus familiären Gründen ungeplant und kurzfristig nach Deutschland. Da sich mein Mann bereits in Deutschland befand, musste ich mit den Kindern alleine reisen. Die Zusammenstellung aller nötigen Papiere – Vollmacht für das alleinige Reisen mit Kindern, Beantragung von Esta für die Durchreise durch die USA usw. – wurde durch Corona nicht einfacher, doch schlussendlich hatten wir alles Nötige pünktlich beisammen.

Die 21-stündige Reise nach Frankfurt verging erstaunlich schnell und wurde lediglich durch die aktuellen Hygienemaßnahmen etwas stressig. Mit 6, 9 und 12 Jahren sind meine Kinder zwar schon recht selbstständig, doch trotzdem musste ich sie oft daran erinnern, nichts anzufassen, ihre Hände zu desinfizieren und schneller zu essen, damit sie den Mundschutz wieder aufsetzen können. Denn auch wenn das Flugzeug erstaunlich leer war, so wollte ich doch kein Risiko eingehen. Das durchgängige Tragen der Maske hätte ich mir übrigens deutlich schlimmer vorgestellt, aber nach einer Weile merkten wir sie gar nicht mehr.

Dank meiner kleinen Leseratten kam ich sogar dazu, 1-2 Stündchen zu schlafen.
Unten links: Diesen Zettelwust darf man bei Ein- bzw. Ausreise in/nach Mexiko immer ausfüllen.

Angekommen in Frankfurt war ich ziemlich überrascht über die Nachlässigkeit im Umgang mit Reisenden. Immerhin kamen wir offiziell aus einem Risikogebiet – das wir hier nahezu kontaktlos leben, wusste dort ja keiner -, doch weder wollte irgendjemand unsere Aussteigekarte haben noch wurde kontrolliert, ob wir uns zu dem Corona-Testzentrum begeben. Überhaupt hätte ich bei dem gut einstündigen Aufenthalt am Flughafen allerhand Leute anstecken können, da der Flughafen riesig ist und die Leute nur bedingt auf Abstand achteten. Umso glücklicher war ich als wir endlich alleine im Auto Richtung München saßen.

Oben: Die ominöse Aussteigekarte. Nur blöd, dass die keinen interessiert hat.
Unten: Das Corona-Testzentrum im Frankfurter Flughafen.

Bei der Ankunft in unserer alten Heimatstadt wartete ich die ganze Zeit auf das glückliche Zuhause-Gefühl, doch das wollte sich nicht einstellen. Natürlich war ich froh, die Stadt und später auch unsere Freunde wiederzusehen, aber trotzdem fühlte ich mich irgendwie fremd. Vielleicht lag es an der ganzen Corona-Situation, vielleicht am Eigenkulturschock oder vielleicht auch an der plötzlichen Anreise und der familiären Situation, die uns überrumpelt hatte.

Erstaunlicherweise gab es eklatante Unterschiede zwischen den Erinnerungen der Kinder. Während der Große noch alles erkannte und dem Mittleren spätestens beim Wiedersehen von Orten oder Freunden wieder alles einfiel, so erkannte die Kleine nur unser altes Haus wieder. Selbst der Spielplatz, der quasi direkt vor unserem Haus lag und den wir 4 Jahre täglich aufgesucht hatten, war fremd für sie. Auch wenn mir bewusst ist, dass 2 Jahre für sie etwas ganz anderes sind als für mich, so hatte ich das in dieser Ausprägung nicht erwartet.

In unserer alten Heimat hatten wir in Summe nur 4 Tage, die wir nach Auflösung der Quarantäne durch den negativen Corona-Test intensiv nutzten. Wir sahen einige wenige Freunde, fuhren ein paar Stunden in den Olympiapark München zu meinem Bruder und bummelten ein bisschen durch die Innenstadt unseres Städtchens. Mir fiel zum ersten Mal bewusst auf wie hübsch die Innenstadt eigentlich ist und wie viele bunte Häuser es dort gibt!

Einer unserer vielen weitläufigen Parks. Auch die Kinder haben die Freiheit, dort überall ohne Aufsicht herumspringen zu können, sehr genossen.
Die Innenstadt unseres Städtchens. Unten rechts sieht man die Kinderecke unserer Bibliothek. Auch wenn wir nichts ausleihen konnten, konnten wir uns einen Abstecher nicht verkneifen. Wie sehr vermissen wir eine Bibliothek in Mexiko!
Impressionen aus dem Olympiapark in München. Vom Riesenrad aus hatten wir einen wunderbaren Ausblick über die Stadt und die nahegelegende BMW-Welt.

Im Anschluss fuhren wir nach Magdeburg und verbrachten die restliche Zeit vorrangig mit der Familie. Doch auch dort gingen wir ab und zu auf Spielplätze oder in Parks, da dies die Orte sind, die wir in Mexiko aktuell meiden bzw. Kinder wegen Corona nicht zugelassen sind. Außerdem sahen die Bäume und Pflanzen dank des beginnenden Herbstes wunderschön aus und machten die Kälte wieder wett!

Der Magdeburger Stadtpark ist ein wahrer Traum zum Erholen. Auch für die Kleinen, dank des riesigen (Wasser-)Spielplatzes.

Natürlich konnten wir es nicht lassen und deckten uns reichlich mit deutschen Lebensmitteln ein. Zusätzlich konnte ich mir einen Besuch bei DM – was vermisse ich hier eine gut sortierte Drogerie! – nicht verkneifen und unser Amazonkonto wurde reaktiviert, weil ich einige Weihnachtsgeschenke für die Kinder in Deutschland besorgen wollte. Manche Sachen gibt es eben doch nur dort. Allerdings muss ich dazusagen, dass die Kinder ihr Weihnachten zumindest geschenkemäßig schon hatten. Familie und Freunde meinten es gut mit ihnen und jeder drückte ihnen „eine Kleinigkeit“ in die Hand. Nur gut, dass wir aus weiser Voraussicht mit 6 Koffern nach Deutschland geflogen waren, aber nur knapp die Hälfte gefüllt hatten. Rückzu waren sie alle proppenvoll.

Unsere Lebensmittelausbeute. Jetzt heißt es „Schön einteilen“

Der Rückflug fand wieder von Frankfurt aus statt und dieses Mal war das Flugzeug leider ziemlich voll. Vielleicht, weil es dieses Mal nicht über die USA ging, die nach wie vor Einreisesperren für private Reisen hat, sondern direkt nach Mexiko? In Mexiko City mussten wir eine Nacht übernachten, da uns der Weiterflug wegen Corona gestrichen wurde. Nicht schön, aber wir nahmen es gelassen. Immerhin kamen wir so am nächsten Morgen in den Genuss eines mexikanischen Frühstücks.

Chilaquiles rojos – Eines der wenigen Gerichte, die ich mag.

Die beiden Male, die ich bisher nach San Luis Potosí geflogen war, fanden nachts statt, sodass dieser erstmalige Tagflug echt toll war. Dadurch, dass wir recht tief flogen, konnten wir unseren Stausee, die Berge und sogar unsere privada erkennen. Was ebenfalls gut zu sehen – und was trotz des Wissens um sein Vorhandensein sehr erschreckend war -, war der Smog, der über der Stadt hing. Besonders im Frühjahr ist er so extrem, dass von z.B. sportlichen Aktivitäten im Freien abgeraten wird.

Knapp über dem Flügel sieht man die Smogschicht.

Bei der Ankunft in San Luis Potosí überkam mich dafür aber endlich das Gefühl, das ich in Deutschland so schmerzlich vermisst hatte. „Endlich wieder daheim“. Einerseits überraschte es mich, weil ich es nicht in der Form erwartet hatte, andererseits passte es zu dem, was ich bereits im Heimweh-Beitrag geschrieben hatte: Heimat ist für mich nicht an einen bestimmten Ort, sondern viel mehr an meine Familie und meinen aktuellen Wohnsitz gebunden.

Inzwischen hat uns unser hiesiger Alltag wieder vollkommen im Griff: die Kinder lernen für die monatlichen Examen, mein Mann ist auf Dienstreise und unsere Tiere sind einfach nur froh, dass wir wieder da sind. Ich freue mich vor allem über die noch sehr sommerlichen Temperaturen, denn so schön es war, den deutschen Herbst für kurze Zeit wieder zu erleben, so sehr genieße ich die hiesige Wärme. In Deutschland war es mir eindeutig zu kalt!

P.S.: Wenn ich so drüber nachdenke, müsste ich das Wort Heimat im Titel ebenfalls in Anführungszeichen setzen. Aber erstens sähe „Heimat““urlaub“ ziemlich blöd aus und zweitens ist es wohl die Macht der Gewohnheit, unser altes Heimatstädtchen Heimat zu nennen.

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