Vereinte Nationen – ein Schulprojekt

Das mexikanische Schulsystem unterscheidet sich in vielen Punkten vom deutschen System, insbesondere beim Niveau, doch eines muss man den Mexikanern lassen: Sie gestalten die Schulalltage mithilfe von Projekten immer wieder aufregend und spannend. So findet zum Beispiel an unserer Schule jedes Jahr jahrgangsübergreifend das Projekt „Vereinte Nationen“ statt und auch dieses Jahr ließen sie es sich nicht nehmen.

Anfangs wird jeder Klasse per Losverfahren ein Land zugeteilt, welches von ihr bei dem „Treffen“ der Vereinten Nationen repräsentiert wird. Da wir an einer kleinen Schule sind, in der es im Kindergarten- und Grundschulbereich pro Jahrgang nur eine Klasse und im Sekundarbereich pro Jahrgang zwei Klassen gibt, ist die Anzahl der vertretenen Länder relativ überschaubar. Die Schüler lernen während des Projekts sowohl etwas über die UN im Allgemeinen, deren Ziele und Geschichte, als auch über das jeweilige Land, welches ihnen zugeteilt wurde. Dabei erhält jedes Kind ein Unterthema, wie z.B. die Geschichte, Traditionen, typische Trachten und Gerichte, Politik, Flora und Fauna usw., zu welchem es einen kurzen Vortrag halten muss.

Je älter die Schüler sind, desto höher sind die Anforderungen. Die Kleine, die im letzten Jahr in der 1.Klasse war und Spanien vertrat, musste lediglich einen vorgegebenen Satz bzgl. einer typisch spanischen Suppe auswendig lernen und ihn der Klasse vortragen. Das war für die Erstklässler allerdings schon aufregend genug, denn sie mussten vor vielen Leuten etwas vortragen, darauf achten, dass sie laut genug sprechen und dass sich nicht verhaspeln. Die älteren Schüler mussten ihre Themen selbst recherchieren und Plakate vorbereiten.

Es wäre nicht Mexiko, wenn aus solchen Projekten nicht eine laute und bunte Veranstaltung gemacht werden würde. Die Eltern sind immer herzlich willkommen und den Anfang bildet ein Aufmarsch aller Schüler auf dem Sportplatz, bei dem zunächst die mexikanische Nationalhymne gesungen und mit der Fahne über den Platz marschiert wird. Da das jeden Montag vor Unterrichtsbeginn geübt wird, können das alle Schüler aus dem Effeff.

Die Schüler im rechten Teil des Bildes tragen ihre Schuluniform.

Das Highlight solcher Veranstaltungen sind jedoch die Verkleidungen. So sehr es mich oft stört, dass ich schon wieder ein Kostüm, ein bestimmtes gestreiftes T-Shirt oder rote/blaue/grüne Sneaker kaufen muss, so hübsch sind die Kinder hinterher anzuschauen. Besonders interessant fand ich im letzten Jahr die 6.Klässler, die Deutschland repräsentierten und sich typisch deutsch anzogen. Oder es zumindest versuchten. Ich frage mich bis heute, in welchem Teil Deutschlands man sich so kleidet!?

Die Kleidung des Mädchens erinnert mich noch am ehesten an eine Kellner-Uniform.

Im Anschluss daran gibt es ein Buffet, an welchem man die typischen Speisen des Landes probieren kann. Für mich war das deutsche Buffet natürlich am interessantesten und ich fand, dass sie es sehr liebevoll und ziemlich authentisch (zumindest aus Sicht eines Bayern) aufgebaut haben. Doch auch unser spanisches Buffet konnte sich sehen lassen, nicht zuletzt wegen der niedlich verkleideten Kinder, die uns Eltern bedienten.

Impressionen vom Jahr 2019

Dieses Jahr musste das Projekt natürlich virtuell stattfinden, weswegen es leider kein Buffet gab. Nichtsdestotrotz war es eine gelungene Veranstaltung, da sich alle Schüler wieder sehr viel Mühe gaben. Wir mussten Mexiko (der Mittlere) und Kanada (die Kleine) repräsentieren und unsere Kostümsammlung ist nun um ein Mariachi-Kostüm reicher.

Die Anforderungen waren dieses Mal für Beide höher, denn der Mittlere musste seinen Vortrag auf englisch halten und die Kleine musste ihr Thema – die kanadische Politik. Nicht gerade ein Traumthema – selbst recherchieren. Dadurch, dass es virtuell stattfand, lernten die Beiden außerdem automatisch das Erstellen einer PowerPointPräsentation.

Virtuelles Treffen der Vereinten Nationen

Alles in allem war es auch dieses Jahr ein gelungenes Projekt, aber dadurch, dass alles zuhause stattfand, leider auch deutlich stressiger. Die Kinder haben aber trotzdem viel gelernt und hatten ihren Spaß. Das ist doch die Hauptsache!

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