Halloween

Ähnlich wie in den USA wird auch in Mexiko Halloween groß gefeiert: Wochen vorher werden Vorgärten und Eingangstüren geschmückt, die Einkaufscenter sind voll mit Dekorationen im Skelett-Stil und die Kinder beraten sich, welches Kostüm sie bei der obligatorischen Süßigkeiten-Einsammel-Runde tragen. Denn anders als in Deutschland werden hier nicht unbedingt gruselige Kostüme getragen, sondern auch Prinzessinenkleider, Spidermananzüge und Cowboyhüte. Diesbezüglich erinnert es mich tatsächlich eher an unseren deutschen Fasching.


Im letzten Jahr zogen wir mit unseren mexikanischen Freunden durch deren privada und bestaunten die großzügigen Dekorationen, die denen in den USA in nichts nachstanden: aufblasbare Gespensterburgen vor den Eingangstüren, in Friedhöfe verwandelte Vorgärten und schwebende Spinnen und Gespenster in Bäumen. Skelette, egal ob Mensch oder Tier, schienen es den Mexikanern besonders angetan zu haben, denn diese fanden wir überall. Das Highlight der Kinder war jedoch ein Auto, in dem ein buntangestrahltes Skelett mit einem Skeletthund als Beifahrer saß.

Dekorationen zu Halloween

Auf der Tour wurden wir in die mexikanischen Praktiken des Süßigkeiteneinsammelns eingeweiht. Zunächst einmal musste man Ausschau nach einem kleinen Kürbiszeichen halten, das all diejenigen an der Tür hatten, bei denen man klopfen durfte. Ein Haus ohne Zeichen bedeutete, dass es dort keine Süßigkeiten gab und man somit nicht klingeln musste / durfte. Diese Vereinbarung fand ich äußerst praktisch, denn was habe ich mich früher geärgert, wenn irgendwelche Nachzügler zu nachtschlafender Zeit mein gerade eingeschlafenes Baby wachgeklingelt haben und unsere Klingel nicht ausschaltbar war.

Das besagte Kürbis-Kopf-Symbol.

An einem Haus mit Kürbiszeichen angekommen, klopften / klingelten die Kinder entweder und sagten Happy Halloween oder sie standen rhythmisch stampfend und klatschend vor der Haustür und riefen Queremos Halloween. Letzteres bedeutet Wir möchten Halloween, was für mich nicht sonderlich viel Sinn ergibt, aber als ich den Mexikanern erzählte, dass man in Deutschland Süßes oder Saures sagt, guckten sie genauso verwirrt wie ich zuvor 😀 Die Kinder hatten natürlich trotzdem sehr viel Spaß und kamen mit Bergen voller Süßigkeiten wieder nach Hause.

Eigentlich freuten sie sich schon das ganze Jahr auf eine Wiederholung des letztjährigen Events, doch wegen Corona verzichteten wir dieses Jahr darauf, um die Häuser zu ziehen und uns mit Freunden zu treffen. Um die traurigen Kinderaugen trotzdem zum Strahlen zu bringen, machten wir zu fünft eine kleine Halloweenparty mit Stockbrot, Filmeabend und Grill und die Kinder durften im Haus an die Türen klopfen.

Für das Stockbrot nutzten wir dieses Rezept und in Ermangelung einer Feuerschalte reanimierten wir unseren alten Holzkohlegrill. Das klappte zum Glück ganz wunderbar. Unser Mittlerer kündigte anfangs groß an, dass er alle Stöcker schnitzen wollte, merkte jedoch rasch, dass das ziemlich anstrengend ist. Nachdem (s)ein Stock fertig war, überließ er großzügig uns anderen sein Schnitzmesser.

Nach getaner Arbeit hielten die Kinder und ich das Stockbrot (teilweise zu tief) ins Feuer, während Laila und mein Mann unser restliches Abendessen auf dem anderen Grill bewachten. Da kurz nach Halloween in Mexiko der día de los muertos gefeiert wird, schmückten wir unsere Terrasse mit den typischen bunten Totenkopfsymbolen.

Man beachte oben rechts Laila, die immer mal wieder kontrollieren kam, ob nicht jemandem „aus Versehen“ ein Stück Fleisch vom Teller fallen würde…

Abends saßen wir kurzärmelig am „Lagerfeuer“ aka Grill und erzählten uns Gruselgeschichten. Interessanterweise kamen in denen keinerlei Gespenster oder andere Monster vor, dafür umso mehr Krokodile und Schlangen, die unter Betten lagen oder sich von hinten anschlichen. Die Zeit in Mexiko scheint uns ganz schön geprägt zu haben 😉

Nachdem sich alle genug gegruselt hatten, durften die Kinder an unsere Türen klopfen und wahlweise wie an Ostern Süßigkeiten im Zimmer suchen oder sich gegen richtig gelöste Spaß-Rechenaufgaben an der Süßkramschüssel bedienen. Ich weiss, ich fiese Mama! Aber wir hatten eine Menge Spaß. Zum krönenden Abschluss schauten wir den Film Hotel Transylvania bei einer großen Portion deutscher Süßigkeiten. Beides kann ich nur empfehlen! Den Film fanden wir so lustig, dass wir am nächsten Tag gleich noch den zweiten Teil schauten.

Nun hoffen vor allem die Kinder, dass sie im nächsten Jahr wieder richtig Sammeln gehen können, auch wenn sie festgestellt haben, dass Halloween zuhause auch sehr schön sein kann. Letztendlich ist es eigentlich wie so oft im Leben: Auch aus einer blöden Ausgangssituation kann man etwas Tolles machen, wenn man nicht den Kopf in den Sand steckt. Flexibilität heißt das Zauberwort, denn nicht immer kommt alles so wie man denkt.

2 Kommentare zu „Halloween

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