Ek Balam – ein Mayatempel im Dschungel

Auf dem Weg von Valladolid nach Río Lagartos machten wir an Ek Balam, einer relativ unbekannten Mayastätte 30 km nördlich von Valladolid, halt. Diese wurde erst vor ca. 25 Jahren freigelegt, befindet sich mitten im Urwald und eignet sich wegen ihrer Nähe zu Valladolid perfekt für einen Tagesausflug oder für einen Zwischenstop, wie wir ihn hatten. Ek Balam ist Mayathan und bedeutet je nach Aussprache schwarzer Jaguar oder Stern Jaguar.

Route Valladolid – Ek Balam, Fahrtzeit ca. 30 min

Der Eintritt war für uns, als Einwohner Mexikos geltend, mit 155 Pesos pro erwachsener Person wieder deutlich günstiger als für Ausländer. Einheimische Kinder unter 13 Jahren waren wie so oft kostenlos. Die Lage der Stätte ist deutlich dschungeliger als die von Chichén Itzá. Dadurch und wegen des fehlenden Massentourismus ergab sich eine ganz andere, weniger touristische, aber dafür geschichtsträchtigere Atmosphäre. Ein bisschen so, als wären die Mayas gerade erst verschwunden und man wäre der Erste, der dort auf Entdeckungstour geht. Zudem muss man im Gegensatz zu Chichén Itzá vom Eingang aus erst noch ca. 5-10 min bis zur eigentlich Anlage durch den einsamen Dschungel laufen, sodass das „Ich bin von der restlichen Welt getrennt“-Gefühl einmal mehr verstärkt wird.

Oben links: Preisliste für Ausländer, Mexikaner und Mexikaner aus Yucatán
Oben rechts: Übersicht über die relativ kleine Anlage
Unten: Fußweg durch den (nicht ganz so dschungeligen) Urwald

An der Anlage angekommen, erblickt man zunächst die recht gut erhaltene doppelte Stadtmauer, die kreisförmig angelegt ist. Innerhalb dieser befinden sich vergleichsweise dicht gedrängt alle wichtigen Gebäude dieser Anlage, wie z.B. die Akropolis, der kleine Palast und der Ballspielplatz. Das Besondere an dieser Stätte ist, dass man noch quasi alle Gebäude betreten kann. Nur ausgerechnet der Aufgang der Akropolis, der dortige höchste Tempel und weit über das Blätterdach des Urwaldes hinausragend, war wegen der Pandemie gesperrt. Dabei hat man von dort oben einen phänomenalen Ausblick über den umliegenden Urwald.

Unten links: Aufgang auf die Akropolis
Oben links: Leguane – die neuen Bewohner der Mayastätten
Rechts: Die Verzierungen und Statuen der Raumeingänge der Akropolis sind erstaunlich gut erhalten und zu ihrem Schutz mittlerweile überdacht

Nichtsdestotrotz erkundeten wir die anderen Gebäude, woran vor allem die Kinder, die solche Aufstiege in Chichén Itzá schmerzlich vermissten, ihre helle Freude hatten. Hier durften sie vorsichtig auf den teils sehr unregelmäßig hohen Treppenstufen die Gebäude erklimmen und in muffige alte Räume hineingehen. Aufgrund der relativen Unbekanntheit der Anlage waren mit uns nur zwei, drei andere Touristen dort, sodass wir bei der Erkundung des Geländes ungestört waren. Immer wieder sahen wir noch halb zugewucherte Steinhaufen, die es noch freizulegen gilt. Welche Schätze sich darunter wohl noch verbergen?

Impressionen aus Ek Balam

Bei der Umrundung der Akropolis entdeckte mein Mann einige Lianen, die die Kinder dazu veranlassten Tarzan zu spielen. Allerdings glichen sie eher einem aus der Form gekommenen Tarzan, denn bereits nach wenigen Sekunden plumpsten sie wie kleine Kartoffelsäcke wieder auf den Boden und merkten schnell, dass man für leichtfüßiges – oder sollte ich sagen: leichtarmiges? – Lianenschwingen deutlich stärkere Oberarme bräuchte. Lustig war es aber allemal!

Jeder durfte mal an den Lianen schwingen.

Eine weitere interessante Beobachtung waren die Waldameisen, die wir sahen, auch wenn sie wenig mit den historischen Mayas zu tun hatten. Am Rande des Dschungels fanden wir mehrere riesige Ameisenhaufen und einige gut „ausgetrampelte“ Ameisenstraßen, auf denen sich fleißige Ameisen mit Blüten und kleinen Blättern abrackerten. Ca. ein Viertel unserer Zeit in Ek Balam ging tatsächlich auf die Beobachtung dieser kleinen Tierchen drauf.

Ameisen in Ek Balam

Fazit: Die Ruinenstätte gilt als kleiner Geheimtipp, wenn man weniger überlaufende historische Orte mit einer authentischen Atmosphäre sucht, die sich nicht zuletzt durch den dichten Dschungel rings um die Ruinen von selbst einstellt. Für die Besichtigung braucht man ca. 1-1,5 h. Fußläufig von der Anlage entfernt befinden sich eine Cenote, in der man gegen einen kleinen Obolus baden kann.


Auf dem Weg dorthin sahen wir mal wieder ein schwer beladenes Motorrad und auch das haben wir in Mexiko gelernt: Solange man gut stapeln kann, gibt es keine zu kleinen Fahrzeuge!

Manchmal stelle ich mir vor wie unsere Verkehrspolizisten gucken würden, wenn wir in Deutschland so durch die Gegend fahren würden 😂

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